Brachiosaurus

Brachiosaurus
Bild: Catmando / Shutterstock.com

Der Brachiosaurus zählte zu den größten Tieren, die jemals auf dem Land lebten.

Er gehörte zu den pflanzenfressenden sauropoden Dinosauriern.

Bedeutung

Brachiosaurus bedeutet in deutscher Übersetzung „Armechse“. Gemeint ist damit eine vierbeinige Dinosauriergattung, die im Oberjura vor etwa 157 bis 145 Millionen Jahren lebte und vorwiegend Nordamerika bevölkerte.

Mit einer Länge von maximal 27 Metern und einer Höhe von 13 Metern war der Brachiosaurus eines der größten Lebewesen der Erde. Er brachte es auf ein Gewicht von bis zu 44 Tonnen.

Systematik

Der Brachiosaurus gehörte den Saurischia (Echsenbeinsauriern) an. Er war ein Sauropode aus der Gruppe der Brachiosauridae.

Merkmale des Brachiosaurus

Zu den typischen Merkmalen des Brachiosaurus zählte sein langer Hals, der dem Hals einer Giraffe ähnelte, eine Länge von 8 bis 9 Metern erreichte und sich aus 14 Halswirbeln zusammensetzte. Jeder dieser Wirbel besaß die dreifache Länge eines Rückenwirbels.

Gliedmaßen und Schädel

Die Schultern befanden sich auf einer Höhe von 6,4 Metern. Als Angehöriger der Sauropoden war der Pflanzenfresser mit vier schlanken Beinen ausgestattet, die einen umfangreichen, massigen Körper trugen.

Charakteristisch war zudem der kleine Schädel, der über eine breite Schnauze verfügte. Ferner war er mit löffelartigen Zähnen und robusten Kieferknochen versehen.

Oberhalb der Schnauze war vor den Augen ein Knochenbogen angesiedelt, von dem die Öffnung der Nase umgeben wurde. Teile von Hals und Rumpf waren umfangreiche Luftsäcke. Sie erfüllten die Funktion, das Lungensystem zu unterstützen. Das System ähnelte dem der Vögel, bei dem die Luftsäcke die Atemluft wie beim Blasebalgprinzip erst anziehen und dann wieder abstoßen.

An der Oberseite des Kopfes befanden sich zudem zwei große Nasenlöcher. Daraus schlossen die Forscher, dass der Brachiosaurus über einen ausgezeichneten Geruchssinn verfügte.

Ungewöhnlich lange Vorderbeine

Eher ein ungewöhnliches Merkmal für einen Sauropoden waren die langen Vorderbeine des Brachiosaurus. So erreichten sie eine größere Länge als die Hinterbeine. Diese bemerkenswerte Vorderbeinlänge soll zur Benennung des Sauriers in Armechse beigetragen haben.

Es wird angenommen, dass das Herz des Brachiosaurus ein Gewicht von etwa 200 Kilogramm erreichte.

Umstrittene Halshaltung

Differenzen unter den Forschern bestehen noch immer über die Halshaltung des Sauropoden. So nehmen einige Paläontologen an, dass der Brachiosaurus eine horizontale Haltung seines Halses einnahm. Grund dafür sei das Pumpen des Blutes ins Gehirn gewesen, bei dem es sonst zu einem Höhenunterschied von mehreren Metern gekommen wäre.

Andere Forscher sehen jedoch in der Bewegungsfreiheit der Halswirbel sowie in der Funktionsmorphologie eher Hinweise auf eine aufrechte Halshaltung.

Warmblütler

Der Brachiosaurus zählte zu den Warmblütlern und besaß wie alle anderen Dinosaurier eine erhöhte Stoffwechselrate. Auf diese Weise gelang ihm die Aufrechterhaltung seiner Körpertemperatur, egal wie die Umgebungstemperatur ausfiel.

Entsprechende Nachweise lieferte die Knochenhistologie des Pflanzenfressers. Sie deutete außerdem auf sehr umfangreiche Wachstumsraten hin. Diese lassen sich in der heutigen Zeit noch bei Vögeln und Säugetieren finden. Für wechselwarme Reptilien gilt dies allerdings nicht.

Fressverhalten

Die Nahrung des Brachiosaurus war pflanzlicher Natur. So verzehrte der Koloss am liebsten Teile von Nadelbäumen, Farne, Palmfarne sowie Ginkgo. Durch seinen ungewöhnlich langen Hals war er in der Lage, sogar die Baumkronen erreichen zu können.

Allerdings verfügte der Brachiosaurus nicht über die Fähigkeit des Kauens. Aus diesem Grund wurden von ihm nach dem Fressen Steine geschluckt, die im Magen für das Zerkleinern der Nahrung sorgten.

Der Lebensraum des Brachiosaurus

Der Brachiosaurus lebte während des Oberjura vor allem im Norden von Amerika. Seine Hauptbeschäftigung bestand aus Fressen.

Es wird angenommen, dass die Brachiosaurier in Herden lebten, weil sie sich auf diese Weise besser vor Angreifern schützen konnten. Griff sie ein Fleischfresser einmal an, verwendeten sie zur Verteidigung ihre langen Schwänze, die wie Peitschen zuschlagen konnten.

Die Vegetation im Oberjura fiel vor etwa 150 Millionen Jahren ganz anders aus als in der heutigen Zeit. So wies die Umwelt seinerzeit Ähnlichkeiten mit einer Savanne auf. Geprägt wurde die Vegetation durch Pflanzengruppen wie Farne, Cycadeen und Koniferen. Bäume beschränkten sich in erster Linie auf Wasserstellen, sodass ihre Verbreitung auf Bauminseln begrenzt war.

Begleiter des Brachiosaurus

Sauropoden waren im Oberjura weit verbreitet und artenreich. So gab es neben dem Brachiosaurus außerdem den Diplodocus, den Apatosaurus, den Supersaurus, den Camarasaurus sowie den Barosaurus.

Weitere Pflanzenfresser, die größere Verbreitung fanden, waren der Camptosaurus und der Stegosaurus. Seltener trat hingegen der Ankylosaurier auf. Aber auch größere Fleischfresser wie der Allosaurus, der Ceratosaurus und der Tarvosaurus tummelten sich im Oberjura.

Wenig zu befürchten von den Fleischfressern hatte jedoch der Brachiosaurus. Allein schon wegen seiner Größe dürfte er nur selten angegriffen worden sein.

Wie die Menschen den Brachiosaurus entdeckten

Die meisten Fossile des Brachiosaurus fanden sich in Nordamerika. Außerdem sollen einige Funde des Sauropoden in Portugal und Algerien gemacht worden sein.

Allerdings besteht bei den algerischen Funden Unsicherheit. So vertreten einige Wissenschaftler die Ansicht, dass das gefundene Material nicht zum Brachiosaurus gehört, sondern zu einem Brachiosauriden, der noch unbestimmt ist.

Auch bei den Funden in Portugal soll es sich nicht um Überreste des Brachiosaurus handeln, sondern um eine eigenständige Gattung.

Verwechslung mit dem Giraffatitan

Zahlreiche Angaben über den Brachiosaurus basieren auf Funden der Dinosaurierart Giraffatitan brancai, die ebenfalls im Oberjura in der Region des heutigen ostafrikanischen Tansania im Tendagaru-Becken lebte.

Der deutsche Paläontologe Werner Janensch (1878-1969) hatte den Giraffatitan dem Brachiosaurus zugeordnet. Spätere Forschungen durch den Amerikaner Gregory S. Paul zeigten jedoch mehrere Unterschiede zwischen dem Brachiosaurus und dem Giraffatitan auf.

In Berlin kann noch heute das Skelett des Giraffatitan im Museum für Naturkunde besichtigt werden. Es bildet das größte originale Dinosaurierskelett auf der Welt, das bislang ausgestellt wurde. Außerdem zählt es zu den komplettesten Sauropodenskeletten.

Im Unterschied zu den Funden des Brachiosaurus ist der Fund des Giraffatitan vollständiger. Deswegen greifen die Forscher oftmals zu Rekonstruktionszwecken darauf zurück.

Einige verwandte Taxa des Brachiosaurus waren auch in Europa unterwegs wie der Zwergbrachiosaurier Europasaurus holgeri oder der Lusotitan atalaiensis, der früher die Bezeichnung Brachiosaurus atalaiensis trug.

Insgesamt sahen sich der Brachiosaurus und der Giraffatitan wohl sehr ähnlich.

Brachiosaurus altithorax

Die ersten offiziellen Funde des Brachiosaurus wurden im Jahr 1900 von dem amerikanischen Paläontologen Elmar S. Riggs (1869-1963) gemacht. Dabei entdeckte er mit seinem Team ein postkraniales Sauropodenskelett am Colorado River in der Morrison-Formation. Die größten Knochen, die dabei gefunden wurden, waren sogar größer als ein Mensch. Dabei handelte es sich um Oberarmknochen.

Briggs schätzte den Sauropoden auf eine Länge von etwa 23 Metern ein. Von dem Paläontologen erhielt der Fund 1903 die Bezeichnung Brachiosaurus altithorax.

Allerdings handelte es sich bei Briggs Fund nicht um die erste Entdeckung eines Brachiosaurus. So fand sich bereits während der Knochenkriege im Jahr 1883 ein Brachiosaurusschädel in Garden Park (Colorado).

Als der Fund zu dem bekannten Paläontologen Othniel Charles Marsh (1831-1899) gebracht wurde, klassifizierte ihn dieser jedoch irrtümlicherweise als Brontosaurus-Art. Erst 1998 ordnete der Paläontologe Kenneth Carpenter den Fund dem Brachiosaurus zu.

Der Brachiosaurus im Film

Wie einige andere Dinosauerierarten wurde auch der Brachiosaurus einer breiteren Öffentlichkeit 1993 durch den Kinoerfolg „Jurassic Park“ bekannt. In Steven Spielbergs Spielfilm ist der Brachiosaurus sogar der erste der geklonten Saurier, den die Protagonisten bei ihrer Tour durch den Dino-Park zu Gesicht bekommen. Später findet eine weitere Begegnung im Dschungel statt, als ein Brachiosaurier von einem Baum frisst.

Die Ideen über den Sauropoden, die im Film gezeigt wurden, entsprachen seinerzeit dem neuesten Stand der Forschungen.

Zu den wenigen Unwahrscheinlichkeiten im Verhalten des Brachiosaurus im Film zählte das Aufstellen auf die Hinterbeine. So waren ausgewachsene Vertreter dieser Art durchaus in der Lage, Höhen von bis zu 14 Metern zu erreichen und diese entsprechend abzugrasen. Schon deshalb gilt es als unwahrscheinlich, dass sie sich dabei auf ihre Hinterbeine stellten.

Auch die relativ frontlastige Körperform des Sauropoden spricht gegen das Ausführen eines solchen Manövers. Es ist also anzunehmen, dass der Brachiosaurus einfach all seine Beine auf dem Boden behielt und die Baumkronen mit seinem langen Hals problemlos zum Fressen erreichte.