Carnotaurus

Carnotaurus
Bild: Herschel Hoffmeyer / Shutterstock.com

Der Carnotaurus zählte zu den fleischfressenden Dinosauriern.

Er lebte vor 72 bis 69 Millionen Jahren.

Der „fleischfressende Stier“

Carnotaurus bedeutet übersetzt „fleischfressender Stier“. Er war ein zweibeiniger Dinosaurier, der während der Oberkreide vor 72 bis 69,9 Millionen Jahren im heutigen Argentinien lebte. Es wurde bislang nur ein einziges Skelett des Karnivoren im argentinischen Chubut in der La-Colonia-Formation gefunden.

Systematik

Der Carnotaurus war ein Angehöriger der Abelisauridae. Die Dinosauriergruppe lebte ausschließlich im Südteil der Erde auf dem Großkontinent Gondwana.

Als nächste Verwandte des Carnotaurus werden der Majungasaurus aus Madagaskar oder der Aucasaurus aus Argentinien angesehen. Allerdings sind diese verwandtschaftlichen Zuordnungen umstritten. So gibt es zum Beispiel über den Schädel des Aucasaurus nur wenige Erkenntnisse.

Andere Theorien sehen weder eine Verwandtschaft des Carnotaurus mit dem Aucasaurus noch mit dem Majungasaurus. Stattdessen soll er mit der Gattung Ilokilesia verwandt sein.

Die bisher einzig bekannte Art des Carnotaurus stellt der Carnotaurus sastrei dar.

Merkmale des Carnotaurus

Das Aussehen des Carnotaurus ist für einen fleischfressenden Saurier eher ungewöhnlich. Außerdem verfügt er über einzigartige Merkmale. Dazu gehören in erster Linie die beiden Hörner auf seinem Kopf, die ihn wie einen Stier erscheinen lassen. Aus diesem Grund erhielt er auch die Bezeichnung „fleischfressender Stier“.

Es wird angenommen, dass der Saurier seine Hörner zum Kampf gegen seine männlichen Artgenossen verwendete. Ebenso können sie dazu gedient haben, Carnotaurusweibchen zu beeindrucken.

Der Carnotaurus brachte es auf eine Größe von mehr als sieben Metern bei einem Gewicht von rund einer Tonne, was ungefähr dem Gewicht eines Autos entsprach.

Schädel

Vom Schädel des Carnotaurus ließen sich gut erhaltene Funde machen. Von der Vorder- bis zur Rückseite erreicht der Schädel eine Länge von 59,6 Zentimetern, bei einer Höhe von 42,5 Zentimetern. Das bedeutet, dass der Carnotaurusschädel im Vergleich zu den anderen Abelisauriden tiefer und kürzer war. Die Schädelknochen galten als überaus beweglich. Recht klein fielen dagegen die Augen des Sauriers aus.

Zähne

Der Carnotaurus war mit verhältnismäßig schlanken Zähnen ausgestattet. Im Unterschied zu den Abelisauriden fielen sie länger aus. An der Oberkieferseite waren 12 Zähne angebracht, während sich im Unterkiefer 15 Zähne befanden. Der Unterkiefer präsentierte sich fragil und schlank.

Skelett

Die Wirbelsäule des Carnotaurus setzte sich aus zehn Halswirbeln, sieben Kreuzbeinwirbeln sowie zwölf Rückenwirbeln zusammen. Die Dornfortsätze an den Halswirbeln zeigten sich als klein. Dagegen fielen die Epipophysen, die Fortsätze, die hinter den Dornfortsätzen angesiedelt waren, umfangreicher aus. Sie markierten die höchsten Punkte der Wirbel.

Die Größe der Epipophysen gilt als Hinweis auf eine starke Entwicklung der Halsmuskeln. Dieses Merkmal gilt zwar als typisch für die Abelisauriden, war jedoch beim Carnotaurus besonders gut entwickelt.

Die Gliedmaßen

Der Carnotaurus besaß zwei sehr kurze Arme. An ihrem Ende waren die Finger miteinander verschmolzen. Dadurch ließ sich eine voneinander unabhängige Bewegung der Finger nicht ermöglichen. Außerdem waren an der Spitze der Finger keine Krallen vorhanden, die sonst üblicherweise vorkamen. Welchem Zweck die stummeligen Arme des Carnotaurus dienten, ließ sich bislang nicht feststellen.

Ausgestattet war der Carnotaurus außerdem mit zwei Beinen, von denen lediglich Teile wie die Oberschenkelknochen sowie Teile des Schienbeins gefunden wurden. Die schlanken Beine fielen sehr lang aus. Der Oberschenkelknochen erreichte eine Größe von 103 Zentimetern. Der Knochenschaft brachte es nur auf einen Durchschnitt von elf Zentimetern.

Haut

Bei der Haut bestanden in den einzelnen Körperregionen des Carnotaurus nur geringe Unterschiede. Sie setzte sich aus polygonalen Schuppen zusammen, die sich nicht überlappten. Sie erreichten einen Durchmesser von rund fünf Millimetern. Unterbrochen wurden die Schuppen von dünnen Furchen, die parallel verliefen.

Im Unterschied zu anderen Theropoden verfügten die Hautabdrücke des Carnotaurus über knopfähnliche Strukturen mit einem Durchmesser von vier bis fünf Zentimetern. Auf ihrer Oberseite hatten sie einen flachen Kamm.

Lebensraum

Der Carnotarus lebte im heutigen Argentinien im Bereich der La-Colonia-Formation, die sich an den südlichen Hängen des nordpatagonischen Massivs befindet. Das Klima zu Lebzeiten des Fleischfressers fiel wahrscheinlich saisonal geprägt unterschiedlich aus. Dabei wechselten sich Trockenzeiten mit Regenzeiten ab.

Entdeckung des Carnotaurus durch den Menschen

Bis zur Entdeckung des Carnotaurus dauerte es bis ins Jahr 1984. Dann entdeckte ihn eine Forschungsexpedition, die von dem argentinischen Paläontologen José Fernando Bonaparte geleitet wurde. Bei Bonaparte handelt es sich um einen der bekanntesten Dinosaurierforscher Argentiniens. Finanziert wurde das Projekt von der National Geographic Society. Die Expedition sollte die südamerikanische Wirbeltierfauna während der Kreidezeit untersuchen.

Gefunden wurde das Fossil des Carnotaurus auf dem Gelände einer Farm in der Nähe von Bajada Moreno, das zum Departamento Telsen in der Provinz Chubut gehört. Die Fossilien befanden sich in einer überaus harten Gesteinsmasse. Dadurch fiel die Präparation des Fundes länger aus.

In der Gegenwart befinden sich die Fundstücke im Museo Argentino de Ciencias Naturales Bernardino Rivadavia, das in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires liegt. 1985 verlieh José Bonaparte seiner neuen Entdeckung die Bezeichnung „Carnotaurus sastrei“.

1990 konnte Bonaparte mit einigen Kollegen eine noch ausführlichere Beschreibung des Schädels und des Skeletts herausbringen.

Bis der Aucasaurus gefunden wurde, war der Carnotaurus der am besten beschriebene Vertreter der Abelisauriden. Im Laufe der Jahre gelang es den Forschern, noch weitere Abelisauridenfunde wie den Majungasaurus oder den Skorpiovenator zu machen. Dadurch konnten auch mehrere umstrittene Aspekte des Skeletts des Carnotaurus neu untersucht werden.

Theorien über die Hörner des Carnotaurus

Über die markanten Hörner des Carnotaurus entstanden verschiedene Theorien. So vertrat der Paläontologe Gregory Paul 1988 die Auffassung, dass der Fleischfresser seine Hörner gegen seine Artgenossen einsetzte.

Dagegen hielt der Forscher Gerardo Mazzetta zehn Jahre später dagegen, dass die Hörner dem Carnotaurus zur Jagd dienten und er damit kleinere Beutetiere zur Strecke brachte. Allerdings ist eine solche Funktion aus dem Tierreich nicht bekannt.

Einer anderen Studie zufolge soll der Carnotaurus seine Hörner schiebend eingesetzt haben, wie das bei Bisons oder Rindern der Fall ist.

Umstritten sind auch die Ansichten von Gerardo Mazzetta über die Bisskraft des Sauriers, die er für relativ eingeschränkt hielt, sodass er in erster Linie Jagd auf kleinere Tiere gemacht hätte.

Andere Forscher schreiben dem Fleischfresser jedoch einen kraftvollen Biss zu. Dieser sei doppelt so stark gewesen wie die Bisskraft eines Mississippi-Alligators. Daher glauben sie, dass auch größere Tiere wie zum Beispiel Sauropoden vom Carnotaurus gejagt wurden.

Der Carnotaurus im Film

Einen Kinoauftritt konnte der Carnotaurus in dem 2018 erschienenen Abenteuerfilm „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ verzeichnen. Der Film zählt zur Jurassic-Park-Filmreihe und zeigt den Carnotaurus als einen von vielen Dinosauriern, die von einem Vulkanausbruch bedroht werden. Dabei greift er auch die Menschen an. Außerdem kommt es zum Kampf mit dem Tyrannosaurus rex.

Weitere Auftritte hatte der Saurier in den Jurassic-Park-Computerspielen.