Compsognathus

Compsognathus Dinosaurier
Bild: Sasa Kadrijevic / Shutterstock.com

Der Compsognathus zählte zu den kleinen, zweibeinigen Dinosauriern.

Er lebte vor etwa 152 bis 147 Millionen Jahren.

Der zierliche Dinosaurier

Die Bezeichnung Compsognathus stammt aus dem Griechischen und bedeutet „zierlicher Kiefer“ oder „eleganter Kiefer“. Er gehörte zu den kleinen, theropoden fleischfressenden Dinosauriern und lebte im Oberjura in Europa.

Er kam auf eine Höhe von 40 Zentimetern bei einer Länge von rund 1,3 Metern.

Funde der Urzeitechse wurden in Deutschland und Frankreich gemacht. Die kleinen Raubsaurier sind auch als „Compys“ bekannt.

Systematik

Der Compsognathus gehörte zur Familie der Compsognathidae. Dieser Familie zugeordnet wurde der Dinosaurier im Jahr 1896 von dem amerikanischen Paläontologen Othniel Charles Marsh (1831-1899), der damit eine neue Saurierfamilie einführte. Außerdem klassifizierte Marsh den Compsognathus als Unterordnung der Theropoda. Die bislang einzig bekannte Art trägt die Bezeichnung Compsognathus longipes.

1914 wurden die Compsognathidae den Coelurosauriern zugeordnet. Bis in die heutige Zeit hat diese Klassifizierung Gültigkeit.

Viele Jahre lang wurde der Compsognathus als einziges Mitglied der Familie der Compsognathidae betrachtet. In den vergangenen Jahrzehnten kam es jedoch zu Funden von verwandten Gattungen. So gelten mittlerweile auch die Spezies Sinosauropteryx, Mirischia, Huaxiagnathus und Aristosuchus als Angehörige der Compsognathidae-Familie.

Merkmale

Zu den hervorstechenden Merkmalen des Compsognathus zählte seine geringe Körpergröße, die ungefähr dem Umfang eines Huhns entsprach.

Von dem Raubsaurier fanden sich zwei fast vollständig erhaltene Skelette in Deutschland und Frankreich. Während das Skelett, das in Deutschland gefunden wurde, rund 89 Zentimeter Länge erreichte, brachte es das französische Exemplar auf ca. 125 Zentimeter. Die Schätzungen für das Gewicht des Raubsauriers schwankten zwischen 0,26 bis 3,5 Kilogramm.

Bis in die 80er- und 90er-Jahre wurde der Compsognathus als kleinster Dinosaurier betrachtet. Dann kam es zu Funden von noch kleineren Urzeitechsen wie dem Microraptor, dem Parvicursor sowie dem Caenagnathasia.

Körper

Ein weiteres Merkmal des Compys waren seine kurzen Ärmchen, an denen sich drei kräftige Finger befanden. Der Schädel fiel dünn aus, war aber relativ lang. Von den Schwänzen der Compy-Fossilien gab es nur unvollständige Funde. Es wird angenommen, dass der Schwanz des Compsognathus dem des Sinosauropteryx ähnelte, der mit 60 Schwanzwirbeln zu den längsten Theropodenschwänzen gehörte.

Schädel

Der Schädel des Compsognathus verfügte über fünf paarige Schädelfenster. Am größten fiel die Augenhöhle aus. Dünn ausgeprägt war der Unterkiefer des Compys. Die kleinen Zähne galten als sehr scharf und passten sich an die Beute an. Dabei handelte es sich zumeist um kleinere Wirbeltiere. Auch der Genuss von Insekten lässt sich nicht ausschließen.

Trugen die Compys Federn?

Weil der Compsognathus rund einhundert Jahre lang der einzige der Wissenschaft bekannte Theropode war, führte dies zu Vergleichen mit dem Archaeopteryx. Außerdem wurde über eine mögliche Verwandtschaft mit den Vögeln spekuliert. So bestanden zwischen dem Compy und dem Archaeopteryx diverse Gemeinsamkeiten. Dazu gehörten u. a. die Größe, Form sowie die Proportionen des Körpers.

Es gibt allerdings noch engere Verwandtschaften von Theropoden mit Vögeln wie zum Beispiel beim Oviraptor, Segnosaurus und Deinonychus.

Abdrücke von Federn ließen sich auf keinem Fossil der Compys identifizieren. Daher wird der Saurier meist ohne Federn abgebildet. Andere Vertreter der Compsognathiden besaßen jedoch tatsächlich Federn.

Lebensraum des Compsognathus

Der Compsognathus lebte während des Oberjura (unteres Tithonium) vor 152,1 bis 147,7 Millionen Jahren in Europa. Zu jener Zeit stellte der Kontinent ein tropisches und trockenes Archipel des Tethys-Meers dar. Bei den Fundorten der Fossilien handelte es sich um Lagunen zwischen Korallenriffen und Stränden auf Inseln im Tethys-Meer.

Als Zeitgenossen der Compys gelten frühe Vogelexemplare oder Dinosaurier, die Vögeln ähnelten, wie der Archaeopteryx oder Flugsaurier wie der Pterodactylus. In den Ablagerungen der Compy-Fossilen fanden sich zudem Spuren von Krebstieren, Weichtieren, Stachelhäutern und Fischen. Dies gilt als Beweis, dass der Compsognathus seinen Lebensraum an der Küste hatte. Andere Dinosaurier, die eine Verbindung zu den Compys besaßen, fanden sich jedoch nicht.

Entdeckung der Compys durch den Menschen

Die erste offizielle Entdeckung des Compsognathus wurde 1859 in der Nähe des bayerischen Riedenburg-Kelheim in den Solnhofener Plattenkalken durch den Fossiliensammler Joseph Oberndorfner gemacht. Allerdings ließ sich der genaue Fundort nie ermitteln, weil er offenbar geheim gehalten wurde.

Zwischen 1859 und 1861 erfolgten ausführliche Beschreibungen des Fundes durch den deutschen Zoologen Johann Andreas Wagner (1797-1861).

Wagner gab dem kleinen Raubsaurier den Namen Compsognathus longipes, was „langbeiniger zierlicher Kiefer“ bedeutete. Wagner glaubte allerdings, dass es sich bei dem Fund nur um eine kleine Eidechse handeln würde.

1978 fand durch den amerikanischen Paläontologen John Ostrom (1928-2005) eine detaillierte Beschreibung statt, die dem Compy größere Aufmerksamkeit zuteil werden ließ. Dabei avancierte er sogar zum bekanntesten Theropoden. Zu besichtigen ist das in Deutschland gefundene Fossil noch immer in München in der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie.

Compsognathus-Fund in Frankreich

1971 kam es in der Nähe von Canjuers bei Nizza im Kalkstein zu einem weiteren Fund eines Compy-Skeletts, das aus dem unteren Tithonium stammte. Bis auf das Schwanzende sowie diverse Handknochen war der Fund vollständig erhalten.

Zunächst in Privatbesitz ging das Fossil 1983 an das Pariser Musée national d´histoire naturelle über. Dem schloss sich eine ausführlichere Begutachtung des Saurierskelettes an.

Skelett in der Bauchregion des Compys

1881 hatte Othniel Charles Marsh im Bauch des in Deutschland gefundenen Compsognathus ein kleines Skelett entdeckt. Der amerikanische Paläontologe nahm fälschlicherweise an, dass es sich dabei um einen Embryo der Urzeitechse handelte.

Im Jahr 1903 fand jedoch der österreichisch-ungarische Paläontologe Franz von Nopsca (1877-1933) heraus, dass der Fund ein eigenes Skelett darstellte, das von einem Beutetier stammte. Der Compy hatte es vor seinem Tod gefressen. Durch John Ostrom erfolgte 1994 die Zuordnung des Beutetiers zum Bavarisaurus.

Durch den Fund des Bavarisaurus ließ sich ermitteln, dass der Compsognathus seine Beute in einem Stück verschlang. Eine Zerkleinerung des Opfers blieb aus. Auch im Bauch des französischen Compy-Fundes ließen sich unbekannte Echsen aufspüren.

Die Compys in den Medien

Weitere Bekanntheit erlangte der Compsognathus durch Steven Spielbergs erfolgreichen Abenteuerfilm „Vergessene Welt – Jurassic Park“ von 1997. In dieser Fortsetzung von „Jurassic Park“ traten die Compys im Rudel auf und hatten die Größe einer Elster. Obwohl sie im Film zunächst ungefährlich wirken, greifen sie größere Beutetiere an und schrecken sogar vor den Menschen nicht zurück, auch wenn sie die kleinsten Dinosaurier im Jurassic Park sind. Ein Jäger dient ihnen sogar als Mahlzeit.

Weitere Auftritte hatten die Compys in „Jurassic Park III“ und „Jurassic World: Fallen Kingdom“. Im zweiten Teil von Jurassic Park werden die Compys allerdings irrtümlicherweise „Compsognathus triassicus“ genannt.

In Michael Crichtons Roman „Vergessene Welt“ waren die Compys der Gattung Procompsognathus triassicus zugeordnet worden. Dabei handelte es sich um einen kleinen Raubsaurier, der ebenfalls in Süddeutschland gefunden worden war. Mit den Compys hatte er jedoch nicht viel zu tun.

In „Vergessene Welt“ werden beide Saurierarten miteinander vermischt, sodass dabei Compsognathus triassicus herauskam. Aus diesem Grund müssen sowohl der Compsognathus als auch der Procompsognathus als Vorbilder für die Film-Compys betrachtet werden.

Dass die Compys in der Gruppe jagten wie im Film, ließ sich bislang noch nicht beweisen.

Auftritte absolvierte der Compsognathus ferner in den Kinderbüchern „Dino Terra“ von Fabian Lenk sowie in den Videospielen „Dino Crisis“ und „Dino Crisis 2“.