Diplodocus

Diplodocus
Bild: Herschel Hoffmeyer / Shutterstock.com

Der Diplodocus zählte zu den größten Dinosauriern.

Er lebte vor etwa 157 bis 145 Millionen Jahren in Nordamerika.

Die Bezeichnung ‚Diplodocus‘

Übersetzt bedeutet der Name Diplodocus „Doppelbalken“. Die Bezeichnung geht auf den Chevronknochen des riesigen Sauriers zurück, bei dem zwei Balken in Form eines V aufeinander zulaufen.

Dieser Knochen war an der unteren Seite der Schwanzwirbelsäule untergebracht. Es wird vermutet, dass er die Funktion hatte, Blutgefäße, Nerven und sensibles Gewebe zu entlasten, damit diese Strukturen nicht abknickten.

Aussehen

Der Diplodocus war ein Sauropode und mit vier Beinen ausgestattet. Zusammen mit anderen Großsauriern wie dem Apatosaurus, dem Brachiosaurus, dem Barosaurus und dem Camarasaurus lebte er im Oberjura vor 157,3 bis 145 Millionen Jahren.

Der Diplodocus gehörte zu den Langhalssauriern und gilt als eine der bekanntesten Dinosaurierarten. Er konnte eine Länge von bis zu 28 Metern sowie eine Höhe von fünf Metern erreichen, womit er nach dem Argentinosaurus zu den größten Saurierarten der Welt zählte. Dabei brachte er es auf ein Gewicht von bis zu 16 Tonnen.

Diplodocus-Arten

Es wird zwischen mehreren Diplodocus-Arten unterschieden. Dies sind:

  • der Diplodocus longus,
  • der Diplodocus carnegi, der nach dem Großindustriellen Andrew Carnegie (1835-1919) benannt wurde,
  • der Diplodocus hayi, der seit 2015 zur neu eingeführten Art Galeamopus gehört,
  • der Diplodocus hallorum, der auch Seismosaurus hallorum genannt wird.

Merkmale des Diplodocus

Besonders auffällige Merkmale des Diplodocus waren sein überlanger Hals sowie sein Schwanz, der Ähnlichkeit mit einer Peitsche aufwies. Der Schwanz setzte sich aus 80 Wirbeln zusammen und war überaus beweglich. Außerdem diente er dem Sauropoden zur Verteidigung gegen Raubsaurier. Die Anzahl der Schwanzwirbel war doppelt so groß wie bei anderen frühen Sauropoden wie zum Beispiel dem Camarasaurus.

Mit dem langen Schwanz soll der Sauropode auch in der Lage gewesen sein, lärmende Geräusche zur Abschreckung seiner Feinde zu erzeugen.

Auf dem Rücken des Diplodocus befanden sich zahlreiche Hornstacheln, die in einer langen Reihe verliefen. Von manchen Forschern wird angenommen, dass sich der Vierbeiner auf seinen hinteren Gliedmaßen aufrichtete, um die Spitzen von größeren Bäumen abgrasen zu können.

Allein sechs Meter der umfangreichen Körpergröße des Pflanzenfressers entfielen auf den Hals, der wenigstens 15 Wirbel besaß. Im Vergleich zum übrigen Umfang des Körpers fiel die Größe des Schädels sehr gering aus.

Zähne

Der Diplodocus war mit kleinen Zähnen ausgestattet, die die Form eines Stifts hatten. Sie befanden sich ausschließlich auf der Kiefervorderseite. Die Zahnkronen fielen lang und schmal aus. Ihre dreieckige Spitze war abgestumpft. Abnutzungen wurden auf der Wangenseite an oberer und unterer Zahnreihe festgestellt.

Im Unterschied zu anderen Sauropoden richteten sich die Vorderzähne des Diplodocus schräg in die äußere Richtung. Sie waren groß und schmal und wurden von dem Pflanzenfresser wie ein Rechen benutzt.

Daraus schlossen die Forscher, dass der Diplodocus einen anderen Fressmechanismus aufwies als die übrigen Sauropoden. Das Abnutzen der Zähne wurde als Folge des Fressens eingestuft. Die eine Zahnreihe löste das Laub von den Baumstämmen ab und die andere Reihe sorgte für die Stabilisation.

Lebensraum

Kaum eine andere Dinosaurierart gilt als so gut erforscht wie der Diplodocus. Der vierbeinige Saurier besiedelte im Oberjura die obere Morrison-Formation Nordamerikas. Durch seine umfangreiche Körpergröße konnte er sich gut vor Raubsauriern wie dem Ceratosaurus und dem Allosaurus schützen.

Die Paläontologen Othniel Charles Marsh (1831-1899) und John Bell Hatcher (1861-1904) vertraten die Ansicht, dass der Diplodocus im Wasser gelebt haben könnte, weil sich die Öffnungen seiner Nase an der Spitze des Schädels befanden.

Diese Idee war jedoch nicht von Dauer. So sprach der hypostatische Wasserdruck, der beim Atmen auf dem Brustkorb entstand, gegen eine solche Lebensweise.

In den 1970er-Jahren verfestigte sich die Auffassung, dass der Diplodocus ausschließlich an Land lebte und dort Bäume abweidete. Allerdings entstand auch eine andere Theorie, die besagte, dass sich der Sauropode gern in der Nähe von Wasserufern aufhielt und Wasserpflanzen fraß.

Haltung des Körpers

In der Wissenschaft umstritten war auch die Körperhaltung des Diplodocus. So wurde er oftmals mit einem aufgerichteten Hals derart dargestellt, dass er hohe Bäume abweiden konnte. Das Herz des Dinosauriers war jedoch nicht ohne Schwierigkeiten imstande, einen entsprechend hohen Blutdruck zu erzeugen. Dies wäre jedoch notwendig gewesen, damit das Gehirn ausreichend Sauerstoff erhielt.

Weitere Studien ergaben zudem, dass sich durch die Halswirbelstruktur der Hals des Diplodocus nicht steil aufrichten ließ.

Eine Studie der Universität von Columbia, die sich 1993 mit der überlangen Halsstruktur des Sauropoden befasste, ergab, dass das Herz für die Versorgung des Diplodocus-Gehirns mit Blut ein Gewicht von 1,6 Tonnen hätte erreichen müssen. Außerdem seien am Hals mehrere Hilfsherzen nötig gewesen, damit das Blut wie eine Kaskade in den Kopf gepumpt wurde.

Eine Studie aus dem Jahr 2006 vertrat die Auffassung, dass der lange Hals des Vierbeiners für dessen Ernährung nur von untergeordneter Bedeutung gewesen sei. Stattdessen diente er vor allem zur Zurschaustellung bei der Paarung.

Ernährungsweise

Der Diplodocus war ein Pflanzenfresser, der sich vorwiegend von Früchten und Blättern, die an Bäumen wuchsen, ernährte. Seinen langen Hals konnte er beliebig hinauf und hinunter bewegen. Es wird außerdem angenommen, dass ihm sein Schwanz als Stütze diente, wenn er sich mit seinen hinteren Gliedmaßen aufrichtete. Dadurch soll er in der Lage gewesen sein, Höhen von bis zu zehn Metern zu erreichen.

Manche Forscher glauben, dass ihm sein langer Hals gestattete, auch Pflanzen unter Wasser, die an den Ufern von Flüssen wuchsen, zu fressen. Auch die stiftförmigen Zähne gelten als Hinweis auf eine Ernährung mit Wasserpflanzen.

Das Wachstum des Sauriers

Knochenhistologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Diplodocus über eine ausgeprägte Wachstumsrate verfügte.

Nach ungefähr zehn Jahren erlangte er Geschlechtstreife. Das Wachstum der Größe hielt dann bis zum Lebensende an, verlief jedoch deutlich langsamer.

Wie pflanzte sich der Diplodocus fort?

Wie sich der Diplodocus fortpflanzte, ließ sich nicht genau klären. So existieren keine Belege für die Brutgewohnheiten dieser Saurierart.

Ähnliche Saurierarten wie der Saltasaurus verteilten ihre Eier gemeinschaftlich über größere Gebiete. Dabei legten sie sie zunächst in flachen Gruben ab. Anschließend wurden die Gruben mit Pflanzen und Sträuchern bedeckt. Es gilt als möglich, dass auch der Diplodocus auf diese Weise vorging.

Wie der Mensch den Diplodocus entdeckte

Der erste Fund eines Diplodocus wurde im Jahr 1878 in Como Bluff im US-Bundesstaat Wyoming gemacht. Entdecker waren die amerikanischen Paläontologen und Geologen Benjamin Franklin Mudge (1817-1879) und Samuel Wendell Williston (1852-1918).

Noch im gleichen Jahr beschrieb Othniel Charles Marsh den Typus zum ersten Mal und verlieh der Art die Bezeichnung Diplodocus longus, was „langer Doppelbalken“ bedeutete.

Weitere Funde

In den folgenden Jahren gelangen weitere Funde des Diplodocus in der Morrison-Formation in den Bundesstaaten Montana, Utah und Colorado. Auch in Wyoming fanden sich erneut Überreste. Die Fossilien des Diplodocus galten als häufig gemachte Entdeckungen.

Da der Diplodocus und der Barosaurus, der ebenfalls zu den Sauropoden zählte, überaus ähnliche Knochen an ihren Gliedmaßen aufwiesen, kam es oftmals zu Verwechslungen. So schrieben die Forscher nicht selten einzelne Knochen dem Diplodocus zu, obwohl sie vermutlich zum Barosaurus gehörten.

Ausstellungen in Museen

Weil es zahlreiche Funde an Diplodocusskeletten gab, sind noch heute entsprechend viele Ausstellungen des Dinosauriers in unterschiedlichen Museen möglich.

Dazu gehören u. a. das Londoner Natural History Museum, das Frankfurter Senckenberg-Museum, das Smithsonian Museum in Washington sowie das Carnegie Museum of Natural History in Pittsburgh.

Der Diplodocus in Film und Fernsehen

Der Diplodocus wanderte nicht selten über die Kinoleinwände und TV-Bildschirme. So trat er u. a. in der erfolgreichen BBC-Reihe „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ auf.

Darüber hinaus war der Koloss auch in Fernsehserien wie „Die verlorene Welt“, die zwischen 1999 und 2002 entstand, sowie in dem britischen Abenteuerfilm „Caprona – Vergessenes Land“ aus dem Jahr 1975 zu sehen.