Giganotosaurus

Giganotosaurus
Giganotosaurus – Bild: Daniel Eskridge / Shutterstock.com

Der Giganotosaurus war einer der größten fleischfressenden Dinosaurier, die an Land existierten.

Er lebte vor rund 100 bis 96 Millionen Jahren in Argentinien.

Die „südliche Riesenechse“

Der Giganotosaurus trägt auch die Bezeichnung „südliche Riesenechse“ oder Giganotosaurus carolinii.

Gemeint ist damit eine fleischfressende (karnivore) Dinosaurierart, die während der Oberkreide bzw. im frühen Cenomanium vor 100,5 bis 96,2 Millionen Jahren das südamerikanische Argentinien bevölkerte.

Der Giganotosaurus in der Systematik

Der Giganotosaurus zählt zu den Theropoden, die den Echsenbeckendinosauriern (Saurischia) zugerechnet werden. Die Theropoden waren Fleischfresser, die sich auf zwei Beinen fortbewegten.

Die südliche Riesenechse war Bestandteil der Gattung Carcharodontosauridae, die wiederum der Gruppe der Carnosauria angehörte.

Es bestand eine enge Verwandtschaft zu den Gattungen Carcharodontosaurus und Mapusaurus, bei denen es sich ebenfalls um große Saurierarten handelte.

Als bislang einzig bekannte Art der südlichen Riesenechse gilt der Giganotosaurus carolinii.

Merkmale des Giganotosaurus

Der Giganotosaurus war eines der größten Landraubtiere. Seine Länge betrug zwischen 12,2 und 13 Metern. Sein Gewicht lag bei etwa 6 bis 7 Tonnen. Die Höhe des Dinosauriers belief sich auf 5 Meter.

Das Skelett der südlichen Riesenechse, das 1993 in Argentinien entdeckt wurde, ist zu rund 75 Prozent komplett. Es umfasst Schädel, zahlreiche Wirbelknochen, Becken sowie Beinknochen und wird auch als Holotyp-Skelett bezeichnet.

Schädel und Kiefer

Schon der Schädel des Giganotosaurus wies eine stattliche Größe von 1,5 Metern auf. Im Oberkiefer war eine Zahnreihe untergebracht, die eine Länge von 92 Zentimetern erreichte. Die einzelnen Zähne wiesen eine Länge von 18 bis 25 Zentimetern auf.

Neben dem bekannten Skelett konnte weiterhin ein einzelner Unterkiefer des Giganotosaurus gefunden werden. Sein Umfang ist rund 2 bis 8 Prozent größer als der des Holotyp-Skeletts.

Es wird vermutet, dass er Bestandteil des Schädels war.

Ferner gehen die Forscher davon aus, dass das Exemplar, dem der einzelne Unterkiefer gehörte, einen größeren Umfang erreichte als der des berühmten Tyrannosaurus rex.

Im Unterschied zu den anderen Theropodensauriern verfügte der Giganotosaurus über einen verhältnismäßig tiefen Oberkieferknochen.

Ober- und Unterkante des Kiefers stehen gleichmäßig zueinander. Darüber hinaus sind zwei pneumatische Öffnungen vorhanden.

Am Unterkiefer befindet sich am Vorderende eine Spitze, die in die untere Richtung verläuft. Dieses Merkmal kommt ansonsten nur beim Pianitzkysaurus vor.

Ähnliche einzigartige Erkennungszeichen treten in der Hirnschädelregion des Giganotosaurus auf.

Das Gehirn

Die Hirnschale des Karnivoren deutet darauf hin, dass sein Gehirn die Größe und Form einer Banane besaß. So wies das Hirn eine Länge von 27,5 Zentimetern auf, bei einer gleichzeitigen Breite von nur 7,7 Zentimetern.

Das geschätzte Volumen liegt bei 275 Kubikzentimetern. Das Gehirn des Giganotosaurus fiel damit kleiner aus als das des Tyrannosaurus.

Besonders umfangreich präsentierten sich die Regionen für den Geruchssinn. So waren Duftspuren für den Fleischfresser wohl überaus wichtig.

Gliedmaßen und Knochen

Ausgestattet war die südländische Riesenechse mit zwei Beinen sowie zwei Armen. Die Arme verfügten wiederum über drei Finger.

Der Oberschenkelknochen des Giganotosaurus brachte es auf eine Länge von 136,5 Zentimetern.

Die Knochen der südlichen Riesenechse fielen stabiler aus als die des Tyrannosaurus. Dafür waren ihre Zähne kürzer und von der Größe her weniger variabel.

Von dem amerikanischen Paläontologen Jack Horner stammt die Vermutung, dass die Zähne gut zum Schneiden von Fleischteilen geeignet waren.

Der Tyrannosaurus rex besaß dafür die Fähigkeit, mit seinen runden Beißwerkzeugen Knochen zu durchtrennen.

Geschwindigkeit beim Laufen

Biomechanische Studien aus dem Jahr 2001 ergaben eine maximale Laufgeschwindigkeit des Giganotosaurus von 15 Metern in der Sekunde, was 50 km/h entsprach.

Im Falle eines größeren Tempos hätte das Risiko eines Sturzes bestanden.

Für Saurier dieser Größe konnte ein solcher Sturz manchmal sogar einen tödlichen Ausgang nehmen. Damit große Tiere ihre Stürze leichter abfedern können, sind sie in der Regel mit weniger Körperoberfläche ausgestattet.

Ernährungsweise des Giganotosaurus

Unweit der Fundstätte des Giganotosaurus-Fossils fanden sich Reste des Titanosaurus. So liegt es im Bereich des Möglichen, dass dieser kolossale Pflanzenfresser dem Giganotosaurus u. a. als Nahrungsquelle diente.

Nach wissenschaftlichen Berechnungen soll die südliche Riesenechse pro Tag einen Nahrungsbedarf von ungefähr 20 Kilogramm Fleisch gehabt haben. Dies entspricht in etwa den Bedürfnissen von drei bis vier ausgewachsenen Tigern und Löwen.

Lebensraum der Riesenechse

Die einzigen Funde, die bislang vom Giganotosaurus gemacht wurden, liegen allesamt in Argentinien, genauer gesagt am Nordrand von Patagonien. Daher dürfte sich in dieser Region auch sein Lebensraum befunden haben.

Gemeinsam mit dem Giganotosaurus bevölkerten weitere Saurierarten wie der Andesaurus, der Nopcsaspondylus, der Limaysaurus, der Buiteraptor sowie der Ekrixinatosaurus das südliche Argentinien. Weitere Lebewesen waren der krokodilartige Araripesuchus, die Schildkröte Prochelidella sowie diverse Schlangenarten.

Wie der Mensch den Giganotosaurus entdeckte.

Im Unterschied zu vielen anderen Dinosaurierarten wurde der Giganotosaurus erst verhältnismäßig spät entdeckt, nämlich im Jahr 1993.

Doch schon 1987 gelang der Fund eines einzelnen Zahns in der Nähe der argentinischen Talsperre El Chocon in der Provinz Neuquén.

Ein Jahr später wurde ein isolierter Unterkieferknochen 50 Kilometer in westlicher Richtung von El Chocon von dem argentinischen Paläontologen Rodolfo Coria gefunden.

Der Fund des fast vollständigen Giganotosaurus-Skeletts fand 1993 durch den Fossiliensammler und Automechaniker Rubén Carolini rund 15 Kilometer von El Chocon im Ödland statt.

Dabei handelt es sich bis heute um den vollständigsten Fund der südlichen Riesenechse.

Die diversen Schädelknochen verteilten sich über 10 Quadratmeter.

Zur Aufbewahrung befinden sich die Fundstücke im Museo de la Universidad Nacional del Comahue.

Im Jahr 1995 nahm Rodolfo Coria die Erstbeschreibung gemeinsam mit dem Wirbeltier-Paläontologen Leonardo Salgado vor.

Die Veröffentlichung der Beschreibung fand in der Fachzeitschrift „Nature“ statt, die zu den wichtigsten Zeitschriften für Naturwissenschaften gehört.

Durch die Zusatzbezeichnung „Carolinii“ wurde der Entdecker des Skeletts, Rubén Carolini, geehrt.