Gorgosaurus

Gorgosaurus
Gorgosaurus – Bild: graja / Shutterstock.com

Der Gorgosaurus lebte vor etwa 76 bis 72 Millionen Jahren.

Der Fleischfresser gehörte zur Familie des Tyrannosaurus.

Die „ungestüme Echse“

Beim Gorgosaurus handelte es sich um einen Echsenbeckendinosaurier, der sich auf zwei Beinen fortbewegte. Er gehörte zu den Theropoden und war Bestandteil der Familie der Tyrannosauridae.

Die Bezeichnung Gorgosaurus stammt aus dem Griechischen und bedeutet „ungestüme Echse“. Der fleischfressende Dinosaurier lebte während der Oberkreide bzw. im späten Campanium vor 76 bis 72 Millionen Jahren in Nordamerika. Von keinem anderen Tyrannosauriden wurden so viele Funde gemacht wie vom Gorgosaurus.

Systematik

In der Familie der Tyrannosauridae gilt der Gorgosaurus als Vertreter der Unterfamilie der Albertosaurinae. Ein weiterer Angehöriger dieser Unterfamilie ist der Albertosaurus. Dabei stellen beide Saurier die einzigen Mitglieder der Familie der Albertosaurinae, die derzeit bekannt sind, dar.

Die Albertosaurier unterscheiden sich von den Tyrannosauriern durch ihre flacheren, kleineren Schädel sowie einen schlankeren Körperbau. Außerdem sind die Knochen der Füße und unteren Gliedmaßen länger.

Die bislang einzig anerkannte Art des Gorgosaurus wird als Gorgosaurus libratus bezeichnet.

Merkmale des Gorgosaurus

Ein erwachsener Gorgosaurus brachte es auf eine Länge von bis zu acht oder neun Metern sowie ein Gewicht von schätzungsweise 2,4 Tonnen. Seine Höhe betrug ca. drei Meter. Damit erreichte der Saurier ungefähr den Umfang des Albertosaurus sowie des Daspletosaurus.

Der Schädel

Der größte Schädel, der vom Gorgosaurus gefunden wurde, wies eine Länge von 99 Zentimetern auf. Im Vergleich zum Körper fiel der Schädel relativ groß aus, was als typische Eigenschaft der Tyrannosauriden galt. Größere Öffnungen im Schädel sowie Kammern innerhalb des Schädelknochens verringerten das Gewicht.

Die Schnauzenregion des Gorgosaurus zeigte sich stumpf. Außerdem besaß der Saurier ein paariges Scheitelbein und ein paariges Nasenbein. An der Mittellinie gingen sie in den Schädel über. Die Augenhöhle wies eine runde Form auf, was sie von den anderen Tyrannosauriden unterschied.

Vor jedem Auge befand sich ein hoher Kamm, der aus dem Tränenbein hervorging.

Der Rumpf

Der Kopf der ungestümen Echse ruhte auf einem Hals, der die Form des Buchstaben S hatte. Einen Kontrast zum großen Kopf des Dinosauriers bildeten seine kleinen Arme. Deren Hände besaßen lediglich zwei Zehen. Bei Untersuchungen ließ sich jedoch an der Mittelhand eine dritte Gliedmaße nachweisen. Ein dritter Finger war bei vielen anderen Theropoden vorhanden.

Die hinteren Beine des Gorgosaurus fielen im Vergleich zu anderen Tyrannosauriden länger aus. Als längster bekannter Knochen gilt der Oberschenkelknochen, der es auf 105 Zentimeter brachte. Bei einigen kleineren Gorgosauriern fiel der Schienbeinknochen allerdings länger aus als der Oberschenkelknochen. Dieses Merkmal ist häufig bei Tieren anzutreffen, die in hoher Geschwindigkeit laufen.

Die Zähne

Die Zähne des Gorgosaurus galten als typisch für die Vertreter der Tyrannosaurier. Am vorderen Ende der Schnauze saßen acht Zähne, die zum Zwischenkieferbein gehörten. Sie unterschieden sich von den anderen Zähnen durch ihre geringe Größe sowie ihren D-förmigen Querschnitt.

Des Weiteren verfügte der Gorgosaurus über 26 bis 30 Zähne im Oberkiefer, während im Unterkiefer 30 bis 34 Kauwerkzeuge angesiedelt waren.

Lebensweise des Gorgosaurus

Der fleischfressende Gorgosaurus lebte gemeinsam mit dem Daspletosaurus in einem Territorium. Dabei bewegte sich der Gorgosaurus im Norden und der Daspletosaurus im Süden der heutigen kanadischen Provinz Alberta.

Untersuchungen an den gefundenen Fossilien legten den Schluss nahe, dass die Gorgosaurier ein Herdenleben führten und sogar füreinander sorgten. Dabei dürften sie auch zusammen gejagt haben. Die Gorgosaurier galten als gefürchtete Jäger. Zu ihrer Beute zählten u. a. Hadrosaurier und Ceratosaurier.

Lebensraum des Gorgosaurus

Der Gorgosaurus lebte in den subtropischen Klimaverhältnissen der Dinosaur Park Formation in Nordamerika während der Oberkreide. Dabei herrschten periodische Trockenzeiten, die große Verluste bei den Dinosaurierherden zur Folge hatten. Die Vegetation der Dinosaur Park Formation setzte sich aus Baumfarnen, bedecktsamigen Pflanzen und Koniferen zusammen.

Weitere Saurier, die zur Zeit des Gorgosaurus dort lebten, waren die Hadrosaurier, Ceratposier, Ankylosaurier, Therizinosaurier, Ornithomimosaurier und Pachycephalosaurier, die zu den Pflanzenfressern gehörten. Auch kleinere Fleischfresser wie Dromeosauriden, Troodontiden sowie Oviraptorosaurier waren unterwegs.

Wie die Menschen den Gorgosaurus entdeckten

Zum ersten Mal offiziell von den Menschen entdeckt wurde der Gorgosaurus im Jahr 1913 in der Dinosaur Park Formation im kanadischen Alberta durch den Paläontologen Charles M. Sternberg (1885-1981). Sternberg gelang es 1917, ein weiteres Exemplar des Dinosauriers zu entdecken.

Ein Jahr später erhielt der Gorgosaurus durch den kanadischen Wissenschaftler Lawrence Lambe (1863-1919) die Bezeichnung Gorgosaurus libratus. Lambe griff dabei auf die griechischen Begriffe für „ungestüm“ oder „schrecklich“ zurück. Der lateinische Begriff libratus bzw. librare stand für „Balancieren“.

Sternbergs Entdeckung aus dem Jahr 1917 wurde zusammen mit weiteren Funden von den Forschern William Diller Matthew (1871-1930) und Barnum Brown (1873-1963) untersucht und beschrieben. Aber auch im amerikanischen Bundesstaat Montana konnten bereits 1856 fossile Entdeckungen des Gorgosaurus wie einige Zähne von dem Paläontologen Joseph Leidy (1821-1893) gemacht werden. Allerdings ordneten die Verantwortlichen die Funde zunächst unkorrekt dem Deinodon, einem anderen Theropoden, zu.

Erst 1922 konnten die Zähne durch Untersuchungen von Matthew und Brown dem Gorgosaurus zugewiesen werden.

Falsche Zuordnungen

Während des 20. Jahrhunderts kam es immer wieder zu falschen Zuordnungen mehrerer Saurier zum Gorgosaurus. Dazu zählte u. a. der Gorgosaurus lancensis, der 1946 von Charles Whitney Gilmore beschrieben wurde. Erst 1988 gab ihm der amerikanische Paläontologe Robert Bakker den Namen „Nanotyrannus“. In der heutigen Zeit wird häufig angenommen, dass der Nanotyrannus ein jugendliches Exemplar des Tyrannosaurus rex ist.

Auch 1955 wurden Skelette des Gorgosaurus novojilovi sowie des Gorgosaurus lancinator, die sich in der Mongolei fanden, fälschlicherweise dem Gorgosaurus zugeordnet. Es soll sich dabei jedoch um jugendliche Vertreter des Tarbosaurus bataar handeln. Das kleinere Skelett erhielt 1992 die neue Bezeichnung Maleevosaurus novjilovi.