Plateosaurus

Plateosaurus - die breite Echse
Plateosaurus – Bild: Daniel Eskridge / Shutterstock.com

Der Plateosaurus gehörte zu den sauropodomorphen Dinosauriern.

Er war die erste Urzeitechse, die in Deutschland entdeckt wurde.

Die Breitweg-Echse

Plateosaurus bedeutet übersetzt „Breitweg-Echse“ oder breite Echse.

Weil seine Überreste vor allem in Süddeutschland gefunden wurden, erhielt der Saurier von dem deutschen Paläontologen Friedrich August Quenstedt (1809-1889) auch den Namen „Schwäbischer Lindwurm“.

Der Plateosaurier lebte vor ungefähr 217,4 bis 201,3 Millionen Jahren vom mittleren Norium bis zum Rhaetium in Europa und war ein zweibeiniger Pflanzenfresser.

Er stellt einen der bekanntesten Saurier dar. So fanden sich von ihm mehr als einhundert Skelette, die teilweise noch vollständig erhalten waren.

In Deutschland und der Schweiz konnten sogar mehrere Massengräber ausfindig gemacht werden.

Die meisten Breitweg-Echsen, die gefunden wurden, hatten ein Lebensalter zwischen 12 und 20 Jahren erreicht.

Das älteste bekannte Exemplar brachte es auf ein Alter von 27 Jahren.

Plateosaurus in der Systematik

Der Plateosaurus zählt zu den sauropodomorphen Dinosauriern.

Im 19. Jahrhundert rechneten die Paläontologen die Breitweg-Echse den Prosauropoda zu.

In der Gegenwart findet diese Bezeichnung in der Wissenschaft jedoch keine Verwendung mehr.

Der Plateosaurus diente auch als Namensgeber für die Familie Plateosauridae.

Bislang existieren zwei gültige Typusarten. Dies sind der Plateosaurus engelhardti aus dem Spätnorium und dem Rhaetium sowie der ältere Plateosaurus gracilis, dessen Funde aus dem frühen Norium stammen.

Da es eine Vielzahl an Art- und Gattungsynonymen gibt, ist die Systematik des Sauriers noch immer umstritten.

Merkmale des Plateosaurus

Der Plateosaurus brachte es auf eine Länge von 4,8 bis 10 Metern und erreichte eine Höhe von 2,3 Metern.

Sein Gewicht schwankte zwischen 600 Kilogramm und 4 Tonnen.

Die Breitweg-Echse war mit einem langen Hals ausgestattet, auf dem ein recht kleiner Schädel saß.

Der Unterkiefer war flach.

Außerdem besaß der Saurier viele spitze Zähne.

Das Kiefergelenk gestattete dem Plateosaurus umfangreiche Hebelbewegungen, die darauf hindeuten, dass er den Pflanzenfressern angehörte.

Im Laufe der Zeit nahm die Anzahl der Zähne ab, die mit größeren Zackungen versehen waren.

Gliedmaßen

Versehen war der Plateosaurus mit vier Füßen. Seine Hinterbeine konnte er aufrichten, um an höher gelegene Pflanzen zu gelangen.

Weiterhin besaß die Breitweg-Echse einen Schwanz, der etwa die Hälfe seiner Körperlänge einnahm.

Aufgrund der Schwanzwirbelsäule vermuten die Wissenschaftler, dass der Plateosaurus seitliche und vertikale Bewegungen durchführen konnte.

Je nach Umweltbedingungen war der Plateosaurus imstande, die Größe seines Körpers zu variieren.

Während manche Breitweg-Echsen bereits mit 5 Meter Länge ausgewachsen waren, erreichten andere Exemplare die doppelte Länge.

Ernährung

Der Plateosaurus war ein Pflanzenfresser, der sich hauptsächlich von Baumfarnen, Sträuchern und Nadelgewächsen ernährte.

Fortbewegung des Plateosaurus

Auf welche Weise sich der Plateosaurus fortbewegte, blieb zunächst unklar. So wurde in der Fachliteratur jede nur erdenkliche Fortbewegungsart für den Saurier für möglich gehalten.

Zunächst glaubte der deutsche Paläontologe Otto Jaekel (1863-1929), dass sich der Plateosaurier wie eine Eidechse auf vier Beinen bewegte.

Kurz darauf änderte er jedoch seine Meinung und nahm stattdessen an, dass die Breitweg-Echse schwerfällig wie ein Känguru hüpfte, wofür er von einigen Kollegen reichlich Spott erntete.

Die meisten Forscher vertraten die Ansicht, dass sich der Plateosaurus aufgrund seiner Gelenkform wie ein Reptil bewegte.

Ab 1980 verbreitete sich die Ansicht unter den Paläontologen, dass der Plateosaurier in der Lage war, sowohl langsam als auch schnell voranzukommen.

Bis ins Jahr 2007 herrschte die verbreitete Auffassung, dass der Plateosaurus einen Übergang zwischen den zweibeinigen Sauriern und den vierbeinigen Sauropoden darstellte.

Eine neue detaillierte Studie widerlegte diese These jedoch. So zeigte sie, dass die Breitweg-Echse ihre Handflächen nicht in die untere Richtung drehen konnte.

Stattdessen ergab sich, dass sich der Plateosaurus ausschließlich auf zwei Beinen fortbewegte.

Für diese Auffassung spricht zudem die Tatsache, dass die Hinterbeine doppelt so lang waren wie die Vorderbeine.

Außerdem erwies sich der Bewegungsspielraum der Vorderbeine als deutlich eingeschränkt.

Entdeckungsgeschichte des Plateosaurus

Der Plateosaurus war der erste Dinosaurier, der in Deutschland entdeckt wurde.

1834 gelang es dem Chemieprofessor Friedrich Philipp Engelhardt in der Nähe von Heroldsberg bei Nürnberg, einige Beinknochen und Wirbel aufzuspüren.

Zur Untersuchung übergab er seinen Fund dem Wirbeltierpaläontologen Herrmann von Meyer (1801-1869). Dieser verlieh dem Saurier 1837 den Namen Plateosaurus engelhardti.

Im weiteren Verlauf fanden sich mehr als einhundert zusätzliche Skelette der Breitweg-Echse.

Plateosaurier-Fundstellen

Allein in Deutschland ließen sich 50 Funde von Überresten des Plateosauriers machen.

In den meisten Fällen erfolgten die Entdeckungen am Neckar sowie an der Pegnitz. Aber auch in Frankreich und der Schweiz ließen sich einige Funde der Breitweg-Echse machen.

Zu den wichtigsten Fundstellen, an denen die am besten erhaltenen Fossilien entdeckt wurden, gehörte die Tongrube in Halberstadt.

Dort fanden sich bis zu 50 Skelette des Plateosaurus sowie des Halticosaurus und des Liliensternus.

Einen Teil davon ordnete Otto Jaekel dem Plateosaurus longiceps zu. Diese Art gilt heute jedoch als ungültig und wird als Synonym für den Plateosaurus engelhardti angesehen.

Eine größere Anzahl der Funde stellte das Berliner Museum für Naturkunde aus. Die meisten Stücke fielen jedoch im Zweiten Weltkrieg der Zerstörung zum Opfer.

Ebenfalls zu den bedeutenden Fundstellen zählt ein Steinbruch im baden-württembergischen Trossingen.

Zwischen der Schwäbischen Alb und dem Schwarzwald konnten zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einigen Kindern Knochen entdeckt werden.

Diese Knochen brachten die Kinder zu ihrem Lehrer, der sie wiederum an den Konservator der Stuttgarter Naturaliensammlung, Eberhard Fraas (1862-1915), weiterleitete.

Zwischen 1911 und 1932 wurden in Trossingen mehrere umfangreiche Grabungen vorgenommen, deren Leitung 1911/12 Eberhard Fraas, 1921 bis 1923 dem Wirbeltierpaläontologen Friedrich von Huene (1875-1969) sowie 1932 dem Paläontologen Reinhold Seemann (1888-1975) oblag.

Dabei fanden sich 35 Skelette des Plateosaurus, die größtenteils gut erhalten waren. Im Jahr 2007 fand eine erneute Ausgrabung statt.

Funde in der Schweiz

Auch in der Schweiz konnten Überreste des Plateosaurus entdeckt werden.

Dazu gehörte vor allem die Tongrube in Frick, in der 1976 Fossilien der Plateosaurier auf ihre Entdeckung warteten.

Zahlreiche Skelettknochen waren allerdings durch das Verfestigen des Tones in Mitleidenschaft gezogen worden.

Trotzdem lässt sich der Wert der Funde mit denen in Deutschland vergleichen.

Im Jahr 2015 gelang es sogar, in Frick ein acht Meter langes Skelett einer Breitweg-Echse auszugraben.

Dabei handelt es sich um das umfangreichste Dinosaurierskelett, das bisher in der Schweiz gefunden wurde.

Weitere Plateosaurus-Funde

Weitere Entdeckungen des Plateosaurus fanden sich in der Nordsee.

Aus einer Tiefe von 2651 Metern wurde 1997 ein Knochen geborgen, der zunächst als Pflanzenfossil galt.

Im Jahr 2003 stellte sich jedoch heraus, dass der Fund vom Bein eines Plateosauriers stammte.

Auch in Grönland konnten einige Funde der Breitweg-Echse gemacht werden.

Wissenschaftliche Einordnung des Plateosaurus

Bereits bei der ersten Erwähnung des Plateosaurus im Jahr 1837 sah Herrmann von Meyer eine Verwandtschaft zwischen der Breitweg-Echse sowie einigen Dinosauriergattungen, die in Großbritannien beschrieben worden waren, wie der Megalosaurus und der Iguanodon.

1845 fasste Meyer den Plateosaurus zusammen mit dem Megalosaurus, Hylaeosaurus und Iguanodon zur Gruppe der Pachypodes zusammen.

Letztlich wurden die Saurier jedoch der seit 1842 gebräuchlichen Bezeichnung „Dinosauria“ zugeordnet.

Die Bezeichnung Plateosaurus diente jedoch als Name für die Familie der Plateosauridae.

Der seinerzeit führende amerikanische Paläontologe Othniel Charles Marsh (1831-1899) ordnete 1895 die Plateosaurier den Theropoda zu.

1926 erfolgte die Einordnung zu den Prosauropoda, die auch bei späteren Forschern weitgehende Akzeptanz fand.

Woran starben die Plateosaurier?

Nach der Entdeckung der Plateosaurus-Fossilien in Trossingen wurde eifrig darüber diskutiert, wodurch die gefundenen Dinosaurier den Tod erlitten hatten.

Eberhard Fraas vermutete, dass die Saurier im Schlamm steckengeblieben und schließlich ertrunken waren.

Eine ähnliche Interpretation erfolgte für die Funde von Halberstadt. Durch Wasser wurden die späteren Teilskelette zur späteren Fundstelle geschwemmt.

Nach Meinung von Reinhold Seemann hatten sich die Plateosaurierherden an großen Wasserlöchern zusammengefunden. Einige Mitglieder der Herde wurden dabei ins Wasser abgedrängt. Während sich die leichteren Saurier aus ihrer misslichen Lage befreien konnten, rutschten die schweren Exemplare tiefer ins Wasser, wo sie ertranken.

Nach einer anderen Theorie gingen die Plateosaurier an Wassermangel zugrunde. Erst später kam es zum Zusammenschwemmen der einzelnen Kadaver aufgrund von Schlammströmen.

In der heutigen Zeit wird nach neuen Untersuchungen die Fraas-Theorie als am wahrscheinlichsten angesehen.

Die gewichtigen Saurier versanken im Schlamm, wobei dieser sich durch ihre strampelnden Bewegungen zunehmend verflüssigte.

Andere Saurier, die sich von den Kadavern der Plateosaurier ernährten, versanken dagegen wegen ihres geringeren Körpergewichts nicht und überlebten.