Pteranodon

Flugsaurier Pteranodon
Pteranodon – Bild: Warpaint / Shutterstock.com

Das Pteranodon lebte vor ungefähr 86 bis 72 Millionen Jahren.

Es zählte zu den Flugsauriern.

Flugsaurier Pteranodon

Der Begriff Pteranodon stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „zahnloser Flügel“.

Das Pteranodon gehörte der Gruppe der Kurzschwanzflugsaurier (Pterodactyloidea) an und lebte während der Oberkreide (Santonium bis Campanium) vor ca. 86,3 bis 72 Millionen Jahren.

Sein Lebensraum erstreckte sich über weite Gebiete Nordamerikas wie die heutigen US-Bundesstaaten South Dakota, Wyoming, Nebraska, Alabama und Kansas.

Während der Oberkreide gab es mit dem Western Interior Seaway ein großes Flachmeer, das Nordamerika durchzog.

Systematik

Das Pteranodon gehörte zur Familie der Pteranodontidae.

Einziger weiterer Vertreter dieser Familie war die Unterart Ornithostoma, von der sich bislang nur einzelne Fossilien fanden.

Manche Paläontologen rechnen auch den Nyctosaurus zu den Pteranodontidae.

Gemeinsam mit den Ornithocheiridae stellten die Pteranodontidae die Überfamilie der Ornithocheiroidea dar.

Arten des Pteranodon

Es sind mehrere Arten des Pteranodon bekannt.

Dazu gehören:

  • Pteranodon longiceps
  • Pteranodon sternbergi
  • Pteranodon comptus
  • Pteranodon ingens

Merkmale des Pteranodon

Eigentlich handelte es sich beim Pteranodon nicht um einen Dinosaurier, sondern um einen Flugsaurier bzw. eine Flugechse.

Nach den Insekten waren die Flugsaurier die ersten größeren Lebewesen, die über die Fähigkeit des Fliegens verfügten.

Mit Flügeln wie die Vögel waren sie jedoch nicht ausgestattet. Stattdessen verfügten sie über eine Flughaut, wie man sie in der heutigen Zeit von den Fledermäusen kennt.

Die Flügelspannweite des Pteranodon kam auf sieben Meter bei einer Körperlänge von rund 1,80 Meter.

Die größte Pteranodonart Pteranodon sternbergi brachte es sogar auf eine Spannweite von neun Metern.

Noch mehr Größe als das Pteranodon erreichten Flugsaurier wie der Hatzegopteryx sowie der Quetzalcoatlus.

Ein weiteres markantes Merkmal des Pteranodon war sein zahnloser Schnabel, der dem eines heute bekannten Vogels ähnelte.

Der obere Schnabelabschnitt bestand aus einem verschmolzenen Oberkiefer- und Zwischenkieferknochen.

Im unteren Abschnitt waren zwei zusammengewachsene Unterkiefer vorhanden.

Obwohl die Flügelspannweite des Pteranodon recht groß war, fiel sein Körpergewicht mit etwa 17 Kilogramm jedoch verhältnismäßig leicht aus.

Grund dafür waren die hohlen Knochen sowie die Schädelöffnungen, die gewichtsreduzierend wirkten.

Der Schädelkamm

Als besonders hervorstechendes Merkmal des Flugsauriers galt sein Schädelkamm.

Zusammengesetzt wurde dieser Kamm durch zwei Schädelknochen.

In oberer Richtung ragte er auf der Hinterseite des Pteranodon hervor.

Form und Größe des Kamms hingen von Art, Geschlecht und Lebensalter ab.

Welchem Zweck der Schädelkamm diente, ist bis heute Bestandteil wissenschaftlicher Spekulationen.

Einige Forscher vermuteten, dass er wichtig für die Stabilität des Fluges war, wenn die Flugechse ihre Beute einfing, weil er ein Gegengewicht zum Schnabel bildete.

Andere Paläontologen vermuteten dagegen, dass der Kamm zur Kommunikation mit seinen Artgenossen von Bedeutung war oder ein Geschlechtsmerkmal darstellte.

Die Flugsaurier mit den größeren Kämmen waren männlichen Geschlechts.

Wirbel

Recht kurz, aber dafür kräftig, fiel die Halswirbelsäule des Pteranodon aus.

Wie sämtliche Knochen zeigten sich die Wirbel der Flugechse dünnwändig und pneumatisiert.

Über Luftlöcher, die an der Seite angebracht waren, bestanden Verbindungen in Richtung Lunge.

Die ersten acht Wirbel des Rückens verwuchsen zu einem Knochenstab. Bei ihren Rippen bestand eine Verbindung aus Längsleisten. Außerdem waren sie verschmolzen mit den Querfortsätzen.

Durch die zehn Wirbel des Kreuzbeins sowie deren Dornfortsätze wurde eine niedrig ausfallende Platte gebildet.

An seinen Fingern war das Pteranodon mit Krallen ausgestattet.

Im Unterschied zu früheren Flugsauriern fehlte dem Pteranodon der Schwanz.

Ernährung

Die Ernährung des Pteranodon bestand aus Fischen. So ließen sich im Mageninhalt einiger Fossilien versteinerte Fischgräten entdecken.

Es wird angenommen, dass die Flugechse ihre Beute wie ein Pelikan aus dem Wasser schöpfte und sie anschließend verschluckte.

Zähne waren daher nicht notwendig, weil beim Fressen kein Kauen erfolgte.

Da beim Einfangen der Fische geschickte Flugkünste vonnöten waren, muss das Pteranodon über ausgezeichnete Flugfähigkeiten verfügt haben.

Lebensraum des Pteranodon

Als Fischfresser durchstreifte das Pteranodon vor allem die Küstenabschnitte der großen Meere. Dazu zählten die Regionen der heutigen Vereinigten Staaten von Amerika sowie von England.

Die Flugechse lebte zusammen mit frühen Vögeln, Mosasauriern und Seeschildkröten, von denen sich in der Nähe der Pteranodonfossilien ebenfalls Fossilien fanden.

Aufgrund der Größe des Pteranodon kam es oft zu Vergleichen mit dem Albatros. Es wird auch vermutet, dass der Flugsaurier ebenso wie der Seevogel die Seewinde für Gleitflüge ausnutzte.

Entdeckungsgeschichte

Als die Flugsaurier von den Menschen entdeckt wurden, riefen sie besondere Aufmerksamkeit hervor.

Außerdem zählten die Flugsaurierfossilien zu den ersten Fossilien von Landwirbeltieren, die überhaupt gefunden wurden.

Bereits im frühen 19. Jahrhundert erfolgten erste Untersuchungen.

Zum ersten Mal beschrieben wurde ein Flugsaurier aber schon im Jahr 1784 von Voltaires Sekretär Cosimo Alessandro Collini (1727-1806), der seinerzeit das Naturalienkabinett am Hof von Mannheim leitete.

Sowohl in der Wissenschaft als auch bei der Bevölkerung lösten die im Süden Englands sowie in Deutschland gemachten Funde reges Interesse aus.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts fanden sich immer mehr Fossilien von Flugechsen.

1870 gelang es schließlich dem bekannten amerikanischen Paläontologen Charles Othniel Marsh (1831-1899), im US-Bundesstaat Kansas die Fossilien eines Pteranodons zu entdecken.

Es war das erste Skelett eines Flugsauriers, das überhaupt in Nordamerika ausfindig gemacht wurde.

1876 erhielten die Funde von Marsh die Artenbezeichnungen Pteranodon comptus und Pteranodon longiceps.

1966 beschrieb John C. Harksen die Art Pteranodon sternbergi. Sie gilt jedoch als zweifelhafte Art. So nehmen einige Wissenschaftler an, dass es sich dabei um eine eigene Gattung handelt, die als Geosternbergi bezeichnet wird.

Als ungültige Art gilt Pteranodon gracilis, die 1876 von Othniel Charles Marsh beschrieben wurde.

Doch schon im selben Jahr änderte Marsh die Klassifizierung um und stufte sie als eigenständige Gattung ein, die er Nyctosaurus nannte.

Eine weitere ungültige Art des Pteranodon war der Pteranodon nanus, der 1881 ebenfalls von Othniel Charles Marsh beschrieben wurde.

Der Paläontologe Robert M. Schoch ordnete diesen Typ jedoch im Jahr 1984 einer bislang unbekannten Nyctosaurusart zu.

Aufgrund seiner Flügelspannweite wurde das Pteranodon bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts als größter Flugsaurier der Welt betrachtet.

Dann übertraf jedoch der Fund des Quetzalcoatlus, der nach dem aztekischen Gott Quetzalcoatl benannt wurde, die Ausmaße des Pteranodons von knapp 8 Metern Spannweite mit einer Spannweite von etwa 12 Metern.

Auch der Hatzegopteryx, der im Hateg-Becken in Rumänien gefunden wurde, wies ähnliche Ausmaße auf.

Zu den wichtigsten Fundorten des Pteranodons zählten der Niobrara-Kalk sowie weitere Gesteine in den Bundesstaaten Kansas und Texas.

Dabei verstreuten sich die Knochen der Flugechsen, die als besonders zerbrechlich gelten, über weites Gelände.

Das Pteranodon im Film

Als Flugsaurier faszinierte das Pteranodon natürlich auch die Filmemacher und flog in den Hollywood-Blockbustern „Jurassic Park III“ aus dem Jahr 2001 und „Jurassic World“ von 2015 über die Kinoleinwand.

Des Weiteren absolvierte die Flugechse Auftritte in TV-Zeichentrickserien wie „Die Astro-Dinos“ von 1987, „Extreme Dinosaurs“ (1997) sowie „Kung Fu Dino Posse“ (2010/11).