Spinosaurus

Spinosaurus
Spinosaurus – Bild: Kostyantyn Ivanyshen / Shutterstock.com

Der Spinosaurus zählte zu den größten fleischfressenden Dinosauriern.

Er lebte während der Unter- und Oberkreide.

Die „Dornechse“

Spinosaurus bedeutet übersetzt „Dornechse“. Er gehörte zu den theropoden Dinosauriern und brachte es auf eine Länge zwischen 16 und 18 Metern sowie eine Höhe von 5 Metern. Sein Gewicht betrug schätzungsweise 7 bis 9 Tonnen. Mit diesen Ausmaßen erreichte der Spinosaurus einen noch größeren Umfang als der berühmte Tyrannosaurus rex oder der Giganotosaurus.

Der Spinosaurus lebte zwischen Ober- und Unterkreide, also vor 112,9 bis 93,9 Millionen Jahren in Nordafrika.

Systematik

Der Spinosaurus gehörte zu den Echsenbeckensauriern (Saurischia) und war Bestandteil der Spinosauridae, denen außerdem der Irritator, der Baryonyx sowie der Angaturama angehörten.

Bislang bekannt sind zwei Arten des Spinosaurus. Dies sind der Spinosaurus aegyptiacus (Ägyptische Dornenechse) sowie der Spinosaurus maroccanus (Marokkanische Dornenechse). Die Differenzen der beiden Arten bestehen vor allem in dem Umfang der Halswirbel. Allerdings sind sich die Wissenschaftler bis heute nicht einig darüber, ob es sich tatsächlich um zwei verschiedene Arten handelt oder nur der Spinosaurus aegyptiacus existierte.

Merkmale des Spinosaurus

Ein prägnantes Merkmal des Spinosaurus war sein Schädel, der dem eines Krokodils ähnelte. Es wurden bisher lediglich einzelne Knochen der Dornechse gefunden, ein komplettes Skelett konnte dagegen noch nicht entdeckt werden. Die Knochen weisen darauf hin, dass es sich beim Spinosaurus um einen der größten fleischfressenden Dinosaurier handelte.

Nach neueren Funden aus dem Jahr 2005 gilt es als wahrscheinlich, dass der Schädel eine ungefähre Länge von 1,75 Meter erreichte, womit er einen der längsten Schädel unter den Dinosauriern überhaupt besessen hätte.

Die Schnauze des Spinosaurus fiel schmal aus und war mit ungesägten konischen Zähnen ausgestattet. Am Vorderende des Oberkiefers befanden sich pro Seite sechs bis sieben Beißwerkzeuge. Auf der Hinterseite waren jeweils weitere zwölf Zähne angebracht. Im Unterschied zum Tyrannosaurus rex fielen die Zähne des Spinosaurus nicht gekrümmt, sondern gerade aus. Vor den Augen des Sauriers saß ein kleiner Kamm auf der Schnauze.

Das Rückensegel

Ein weiteres auffälliges Merkmal der Dornenechse stellten ihre Rückenwirbel dar, die mit ca. zwei Meter langen Dornen versehen waren. Die Dornfortsätze stützten das Segel bzw. den Muskelkamm des theropoden Sauriers. Wozu die Rückendornen verwendet wurden, ließ sich bislang nicht genau klären. Es gibt aber einige Theorien.

So soll die Haut über den Dornen gut durchblutet worden sein. Am Morgen wäre der Spinosaurus in der Lage gewesen, Sonne zu tanken und anschließend auf die Jagd zu gehen. Käme es zu Überhitzung, konnte die Dornenechse ihr Rückensegel in den Wind halten und sich auf diese Weise abkühlen.

Andere Theorien besagen, dass das Segel dazu diente, Weibchen anzulocken und ihnen damit zu imponieren. In diesem Fall wäre das Rückensegel ausschließlich bei männlichen Exemplaren vorhanden gewesen.

Ferner besteht die Möglichkeit, dass mit dem Segel Fettgewebe abgestützt wurde.

Gliedmaßen

Der Spinosaurus war mit zwei kurzen Vorderbeinen sowie zwei längeren Hinterbeinen versehen. Die vorderen Gliedmaßen fielen stärker und länger aus als die von anderen fleischfressenden Sauriern. Aus diesem Grund glauben verschiedene Wissenschaftler, dass die Dornenechse sich häufiger auf vier als auf zwei Beinen fortbewegte.

Weil die Füße Ähnlichkeiten mit denen von Watvögeln aufwiesen und der Spinosaurus nur über ein kleines Becken verfügte, soll er sich auch häufig im Wasser aufgehalten haben. Dort könnte er nach Fischen gejagt haben.

Die Nasenlöcher des Sauriers waren in der Schädelmitte angesiedelt. Dadurch war er befähigt, wie ein Krokodil beinahe völlig untergetaucht zu atmen. An der Spitze der Schnauze saßen Öffnungen für Nerven. Die Forscher deuten dies als Hinweis auf Rezeptoren für Bewegungsreize. Auch diese sind bei den Krokodilen zu finden.

Lebensraum des Spinosaurus

Als Lebensraum diente dem Spinosaurus der Norden Afrikas. Dabei lebte er zusammen mit anderen Saurierarten wie dem Carcharodontosaurus, dem Aegyptosaurus, dem Bahariasaurus sowie dem gigantischen Paralititan zusammen in einer Wattlandschaft mit Mangrovenwäldern.

Spätere Fundorte der Dornechse fanden sich in Ägypten, Marokko, Algerien, Tunesien und Niger.

Ernährungsweise des Spinosaurus

Ob sich die Ernährung des Spinosaurus in erster Linie aus Fischen oder aus Landtieren zusammensetzte, ließ sich bis heute nicht abschließend klären. Ein Hinweis auf die Fischnahrungstheorie ist die lange Schnauze der Dornechse.

Bei verwandten Spinosauriern wie dem Baryonyx wurden tatsächlich Beweise für deren Ernährungsweise entdeckt. So befanden sich in der Verdauungsregion des Baryonyx Überreste von anderen Dinosauriern wie dem Iguanodon sowie von geätzten Fischschuppen.

Der Spinosaurier ernährte sich also höchstwahrscheinlich sowohl von Fischen als auch von kleineren oder mittelgroßen Landtieren. Sogar Aas stand wohl auf seinem Speiseplan.

Weiterhin ergab eine Isotopenanalyse, dass sich der Spinosaurus häufig in flachem Wasser oder in der Umgebung der Küsten aufhielt. Dies spricht dafür, dass er sich zumeist von Fisch ernährte.

Wie der Mensch den Spinosaurus entdeckte

Die erste offizielle Entdeckung des Spinosaurus fand im Jahr 1912 in Ägypten, genauer gesagt in der Bahariyya-Oase, durch den österreichischen Fossiliensammler Richard Markgraf (1869-1916) statt.

Drei Jahre später erfolgte die Beschreibung der Saurierart durch den deutschen Paläontologen Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach (1871-1952), der zu den wichtigsten Saurierforschern gehörte. Er verlieh dieser Art die Bezeichnung „Stinosaurus aegyptiacus“.

1934 ordnete von Reichenbach weitere Funde, die aus Hinterbeinknochen und Wirbeln bestanden, einer zusätzlichen Art zu, der er den Namen „Spinosaurus B“ gab. Später erfolgte die Zuordnung dieser Knochen jedoch an andere Dinosaurierarten wie den Carcharodontosaurus oder den Sigilmassasaurus.

Beim Transport der Fossilien von Ägypten nach München kam es zur Beschädigung mancher Spinosaurus-Fundstücke. Sämtliche Originalknochen aus dem Jahr 1915 fielen 1944 einem alliierten Bombenangriff auf das Museum Alte Akademie zum Opfer.

Weitere Funde und Forschungen

Bis in die Gegenwart wurden weitere Funde des Spinosaurus gemacht, wie zum Beispiel im Jahr 2014 durch Nizar Ibrahim, Christiano Dal Sasso und Paul C. Sereno. Dadurch ließ sich am Computer das vollständige Skelett der Dornechse rekonstruieren.

Dabei gelangten die Saurierforscher auch zu der Ansicht, dass es sich beim Spinosaurus um einen guten Schwimmer gehandelt haben muss. So wie bei den heute bekannten Krokodilen schlängelte der Schwanz des Dinosauriers im Wasser, sodass er sich in die vordere Richtung bewegen konnte.

Es wird außerdem davon ausgegangen, dass die Dornechse an ihren Zehen mit Schwimmhäuten ausgestattet war, was das Fortbewegen im Wasser sehr erleichterte. Auf diese Weise brauchte der Spinosaurus nicht an Land gehen, wo er mit anderen Sauriern um Nahrung hätte konkurrieren müssen.

Der Spinosaurus im Film

Einen größeren Filmauftritt absolvierte der Spinosaurus im Jahr 2001 in Joe Johnstons Abenteuerfilm „Jurassic Park III“. Dabei tritt der riesige Saurier als Bösewicht auf und macht Jagd auf Dr. Alan Grant und seine Begleiter.

Der Spinosaurus präsentiert sich im Film sogar als noch gefährlicher und wilder als der berüchtigte Tyrannosaurus rex und erlegt diesen nebenbei.