Stegosaurus

Stegosaurus
Bild: Daniel Eskridge / Shutterstock.com

Der Stegosaurus zählt zu den schildtragenden Dinosaurierarten.

Er lebte vor etwa 157 bis 147 Millionen Jahren.

Die Bezeichnung ‚Stegosaurus‘

Der Begriff ‚Stegosaurus‘ entstammt dem Altgriechischen und heißt in deutscher Übersetzung ‚Dachechse‘.

Systematik

Der Stegosaurus gehört zum Taxon der Thyreophora. Das bedeutet, dass er einen Schild trägt. Außerdem ist er ein Vogelbeckendinosaurier (Ornithischia) und Bestandteil der Familie der Stegosauridae. Die Stegosaurier bevölkerten während des Oberjura vor 157,3 bis 147,7 Millionen Jahren Nordamerika und Europa.

Im Westen Nordamerikas fanden sich in der Morrison-Formation drei unterschiedliche Arten des Stegosaurus. Ein weiterer Fund wurde in Portugal gemacht, womit die Existenz des pflanzenfressenden Dinosauriers auch in Europa nachgewiesen werden konnte.

Zu den drei gültigen Stegosaurier-Arten gehören:

  • der Stegosaurus armatus (gepanzerte Dachechse),
  • der Stegosaurus stenops (schmalköpfige Dachechse)
  • der Stegosaurus longispinus (Dachechse mit langen Stacheln)

Merkmale des Stegosaurus

Zusammen mit dem Tyrannosaurus rex, dem Triceratops und dem Velociraptor zählt der Stegosaurus zu den bekanntesten Dinosaurierarten. Die Art ‚Stegosaurus armatus‘ erreichte eine Länge von ungefähr neun Metern sowie eine Höhe von vier Metern.

Als typische Kennzeichen des Stegosaurus gelten die drachenförmigen, flachen Platten, die sich auf seiner Rückseite vom Hals bis zum Schwanz befanden. Die Unterart Stegosaurus stenops verfügte über 17 dieser umfangreichen Platten. Durch die Platten lässt sich der Stegosaurus sogar von einem Amateur ohne Schwierigkeiten identifizieren.

Füße

Beim Stegosaurus handelte sich um einen vierbeinigen Dinosaurier. An seinen Vorderfüßen waren je fünf Zehen vorhanden, während sich an den Hinterfüßen nur drei Zehen befanden. Die beiden inneren Zehen waren mit einem stumpfen Huf ausgestattet.

Polster hinter den Zehen sorgten für die Unterstützung sämtlicher vier Beine. Dabei fielen die Hinterbeine deutlich länger aus als die Vorderbeine. Dadurch ergab sich eine ungewöhnliche Haltung. So hielt der Stegosaurus seinen Kopf sehr flach, während sich der Schwanz deutlich über dem Boden bewegte.

Der Gang des Stegosaurus soll eher unbeholfen gewesen sein. Nach Ansicht der Forscher erreichte er eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 1,5 Kilometern pro Stunde, wenn er ein normales Tempo lief. War er auf der Flucht, konnte er sogar bis zu 6,5 Kilometer in der Stunde schaffen.

Schädel

Ungewöhnlich klein zeigte sich der Schädel der Stegosaurier, der es auf eine Länge von rund 40 Zentimetern brachte. Er war sehr dünn und schmal und bewegte sich ungefähr einen Meter über dem Boden. Es wird vermutet, dass der Stegosaurus deshalb vor allem Pflanzen abgraste, die niedrig wuchsen. Untermauert wird diese Annahme durch das Fehlen von Vorderzähnen. Außerdem war der Pflanzenfresser mit einem Hornschnabel ausgestattet.

Die Zähne des Sauriers fielen klein aus und wiesen die Form eines Dreiecks auf. Daher nehmen die Wissenschaftler an, dass der Pflanzenfresser seine Nahrung vor dem Herunterschlucken zerquetschte.

Das Gehirn

Überaus gegensätzlich zur Körpergröße des Stegosaurus war der Umfang seines Gehirns. So ging seine Hirnschale nicht über die eines Hundes hinaus. Auch das Gehirn brachte es nur auf eine geringe Größe. Es könnte sogar das kleinste aller Dinosauriergehirne gewesen sein.

Dem gegenüber stand ein Gewicht des Stegosaurus von rund 4,5 Tonnen. Das Gehirn soll hingegen nur ein Gewicht von ca. 80 Gramm erreicht haben. Aus diesem Grund glaubten die Paläontologen in früheren Zeiten, dass die Dinosaurier nur über sehr niedrige Intelligenz verfügten, was sich jedoch als Irrtum herausstellte.

Besaß der Stegosaurus ein zweites Gehirn?

Einige Zeit nahmen die Forscher an, dass der Stegosaurus noch ein zweites Gehirn besessen habe könnte. So entdeckte der berühmte Paläontologe Othniel Charles Marsh (1831-1899) in der Beckenregion des Sauriers eine umfangreiche Aushöhlung und nahm an, dass sich dort eine Struktur befand, die eine zwanzigfache Größe des Gehirns erreichte. So soll am Ansatz des Schwanzes ein zweites Gehirn untergebracht gewesen sein. Seine Aufgabe bestand im Kontrollieren der Körperreflexe, die sich im hinteren Abschnitt des Organismus abspielten.

Mittlerweile vermuten verschiedene Wissenschaftler, dass in dem Hohlraum, der auch bei Sauropoden vorkam, ein Glykogenkörper angesiedelt war. Dieser befindet sich auch im Körper von Vögeln. Welche Funktion er ausübt, ließ sich jedoch bislang noch nicht ermitteln.

Schwanz

Der Schwanz des Stegosaurus besaß vier Stacheln, die eine Länge von 60 bis 90 Zentimetern erreichten. Sie dienten dem Pflanzenfresser zur Abwehr von Feinden. Dabei schwang der Saurier seinen Schwanz hin und her, wenn er angegriffen wurde, um den Gegner damit zu bekämpfen.

Ernährungsgewohnheiten des Stegosaurus

Es wird vermutet, dass sich der Stegosaurus von Koniferen, Palmfarnen, Farnen, Früchten, Schachtelhalmen, Blättern und Moosen ernährte. Außerdem sollen die Pflanzenfresser Steine verschluckt haben, um auf diese Weise die Nahrung zu zerkleinern.

Gräser konnten die Stegosaurier dagegen nicht abweiden, weil diese erst wuchsen, als ihre Art bereits ausgestorben war.

Woher stammen die Stegosaurier?

Woher der Stegosaurus stammt, ist noch immer unbekannt. So existieren nur wenige Funde von den Vorfahren der Stegosaurier. Als frühester bekannter Vertreter der Stegosauridae gilt der Lexovisaurus. Er wurde in England und Frankreich entdeckt. Seine Lebenszeit lag im Callovium vor etwa 166 bis 163 Millionen Jahren.

In welchen Lebensräumen sich der Stegosaurus aufhielt, ließ sich nicht klären. Auch über sein Sozialverhalten lässt sich nichts sagen.

Entdeckung des Stegosaurus durch den Menschen

Entdeckt und beschrieben wurde der Stegosaurus erstmals im Jahr 1877 durch Othniel Charles Marsh in der Nähe der amerikanischen Kleinstadt Morrison im US-Bundesstaat Colorado. Vom Marsh stammt auch die Namensgebung „Dachechse“ (Stegosaurus). So glaubte Marsh zunächst, dass sich die charakteristischen Platten flach auf dem Rücken des Dinosauriers befunden hätten und dabei übereinanderliegen würden wie Dachziegel.

In späteren Jahren fanden sich weitere Teilskelette des Stegosaurus. Dabei ergaben die Forschungen, dass die Rückenplatten nicht auf dem Hinterteil lagen, sondern stattdessen standen. Aus diesem Grund nahm Marsh Änderungen an der Beschreibung des Sauriers vor. 1891 stellte er klar, dass die Rückenplatten sich in einer geraden Linie stehend auf dem Rücken befanden.

Es dauerte allerdings nicht lange, bis auch diese Theorie wieder angezweifelt wurde. So ließ sich nicht klären, wodurch die Platten auf der Haut befestigt wurden. Weitere Forschungen führten zu der These einer Anordnung der Rückenplatten in zwei Reihen auf Lücken versetzt. Platten von gleicher Größe ließen sich nicht finden.

Die größte Platte eines Stegosaurus erreichte eine Höhe von 60 Zentimetern sowie eine Breite von ebenfalls 60 Zentimetern.

Für rege Diskussionen unter den Wissenschaftlern sorgten auch die möglichen Funktionen der Platten. Zunächst glaubten die Paläontologen, dass der Saurier sie zum Abwehren seiner Feinde verwendete. Dazu waren sie jedoch nicht kräftig genug, da sie zu schnell zerbrachen. Stattdessen wird vermutet, dass sie u. a. zur Partnerwerbung Verwendung fanden. So ließen sie den Stegosaurus größer erscheinen als er war.

Geschlechtsdimorphismus

2015 ergab sich durch neue Stegosaurierskelettfunde die Theorie, dass bei den Stegosauriern Geschlechtsdimorphismus bestand. So sollen die männlichen Exemplare größere Rückenplatten besessen haben, die zudem noch runder waren. Bei den Weibchen fielen die Platten länger und kleiner aus.

Zahlreiche Paläontologen lehnen diese These jedoch ab. So lässt sich nicht ausschließen, dass sich unter den neuen Skelettfunden auch solche von Jungtieren befunden haben können. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass der Stegosaurus beide Arten von Platten zur gleichen Zeit trug.

Der Stegosaurus in Film und Fernsehen

Der Stegosaurus zählt zu den Dinosauriern, der u. a. durch die Jurassic-Park-Filme größere Bekanntheit erlangte. So war er in Steven Spielbergs 1997 entstandender Jurassic-Park-Fortsetzung „Vergessene Welt – Jurassic Park“ sowie in „Jurassic World“ aus dem Jahr 2015 zu sehen. Doch schon 1933 tauchte in dem berühmten Monsterklassiker „King Kong und die weiße Frau“ ein Stegosaurus auf.

Darüber hinaus entstanden über ihn zahlreiche TV-Dokumentationen und Filme, in denen er gegen fleischfressende Dinosaurier kämpfen musste.

Dank seiner Popularität bei den Menschen absolvierte der Stegosaurus auch Auftritte in Comics, als Spielzeug oder als Dinosauriermodell. Der amerikanische Bundesstaat Colorado kürte den Vierbeiner 1982 sogar zum Staatsdinosaurier.