Velociraptor

Velociraptor
Bild: Daniel Eskridge / Shutterstock.com

Der Velociraptor zählt zu den Echsenbeckensauriern.

Er lebte vor etwa 85 bis 76 Millionen Jahren in der Oberkreide.

Die Bezeichnung ‚Velociraptor‘

Der Name ‚Velociraptor‘ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „schnell“ (velox) und „Räuber“ (raptor), also „schneller Räuber“.

Der Velociraptor gehörte zu den Saurischia (Echsenbeckensauriern) und war ein zweibeiniger Dinosaurier.

Velociraptor-Arten

Bislang wurden zwei Arten des Velociraptors registriert. Dies sind der Velociraptor mongoliensis sowie der Velociraptor osmolskae. Vom Velociraptor mongoliensis fanden sich Fossilien in der Mongolei und China. Vom Velociraptor osmolskae wurden 2008 in der Inneren Mongolei Schädelteile gefunden.

Insgesamt konnten mehr als ein Dutzend Velociraptorskelette ausfindig gemacht werden, womit diese Saurierart als gut untersucht gilt.

Systematik

Beim Velociraptor handelt es sich um einen Vertreter der Unterfamilie Velociraptorinae, die wiederum der Familie der Dromaeosauridae angehört.

Merkmale des Velociraptors

Der Velociraptor erreichte eine Länge von 1,5 bis 2,07 Metern, wobei er auf eine Höhe von ca. einem Meter kam. Sein Gewicht betrug zwischen 15 bis 20 Kilogramm, womit er relativ leicht war.

Der Velociraptor zählte zu den zweibeinigen Dinosauriern. Es wird vermutet, dass er ein Tempo von 60 km/h auf kurzen Distanzen erreichen konnte.

Schädel

Der Schädel des Velociraptors erreichte eine Länge von etwa 25 Zentimetern. Im Unterschied zu den anderen Dromaeosauriden verfügte der Velociraptor über eine lange, schmale Schnauze, die zudem flach ausfiel. Am Schädel hatte die Schnauze des Raubsauriers einen Anteil von rund 60 Prozent. Das vordere Stück der Schnauze wölbte sich leicht in die obere Richtung. Der Hals des Velociraptors wies die Form eines S auf.

Der Velociraptor war mit einem guten räumlichen Sehvermögen ausgestattet, da sich seine Augen nach vorne richteten. Die Werte seines Blickfeldes lassen sich mit dem einer Eule vergleichen.

Zähne

Ober- und Unterkiefer des Sauriers besaßen jeweils 26 bis 28 Zähne. Die Zähne befanden sich in größeren Abständen zueinander und wiesen an der hinteren Schneidekante eine umfangreichere Absägung auf als der Vorderschneidekante. Es ist möglich, dass der Velociraptor dadurch seine Beute leichter greifen konnte.

Beine und Arme

Der Velociraptor besaß zwei lange, schlanke Beine. Seine Füße waren mit jeweils vier Zehen ausgestattet, die wiederum Krallen aufwiesen. Am mittleren Zeh erreichte die Kralle eine Länge von 9 Zentimetern. Sie hatte die Form einer Sichel. Zunächst nahmen die Paläontologen an, dass der Raubsaurier die Krallen zum Töten seiner Beute benutzte.

Experimente aus dem Jahr 2005 ergaben jedoch das Gegenteil. So konnte die Kralle beim Angriff lediglich vier Zentimeter in den Körper des Opfers eindringen, wobei sie kleine Stiche hinterließ. Seither vermuten die Forscher, dass sie eher zum Festhalten an der Beute Verwendung fand. Zum Angriff auf seine Opfer benutzte der Velociraptor dagegen seine scharfen Zähne. Auch zum Klettern könnte die Kralle geeignet gewesen sein.

Schwanz

Der Schwanz des Velociraptors wurde durch lange Knochenfortsätze an den Wirbelbögen, verknöcherte Sehnen sowie lange Chevronknochen an der Wirbelunterseite versteift. Durch diese Versteifung waren Vertikalbewegungen mit dem Schwanz nur unzureichend möglich. Es wird allerdings eine ausgeprägte horizontale Beweglichkeit angenommen.

Bei hohem Tempo und bei Bewegungen in Kurven sorgte der S-förmige Schwanz wahrscheinlich für eine gute Balance.

Stoffwechsel

Bis zu einem gewissen Punkt soll der Velociraptor warmblütig gewesen sein. Sein Stoffwechsel fiel jedoch im Vergleich zu Vögeln und Säugetieren gering aus, was auf die Wachstumsrate der Knochen zurückgeführt wird.

Bei einem wechselwarmen Stoffwechsel wäre der Raubsaurier vermutlich nicht lange zu seiner temporeichen Fortbewegung imstande gewesen.

Federn

Weil sie bei vielen Dromaeosauriden-Fossilien Federn von komplett entwickelten Flügeln fanden, vertraten verschiedene Forscher die Auffassung, dass auch der Velociraptor Federn besessen haben müsste.

An einer Velociraptor-Elle ließen sich im Jahr 2007 Ansätze für zwölf Federkiele an den Armschwingen nachweisen. Dies gilt als Bestätigung für die Feder-These.

Lebensraum des Velociraptors

Unterwegs war der Velociraptor in der Oberkreide, genauer gesagt vom späten Santonium bis zum mittleren Campanium vor 85,2 bis 76,4 Millionen Jahren.

Die meisten Fossilien des Raubsauriers fanden sich in der Djadochta-Formation im Süden der Mongolei in der Wüste Gobi sowie in der Inneren Mongolei Chinas. Dabei hielt sich die Sauerierart vor allem in verlassenen Gebieten auf, die nur über wenig Wasser verfügten. Darüber hinaus herrschte ein heißes, trockenes Klima.

Jagdverhalten

Aufschlüsse über das Jagdverhalten des Velociraptors ergaben sich durch den Fund des Fossils „kämpfende Dinosaurier“.

Der Fund stellte einen Kampf zwischen einem Velociraptor mongoliensis sowie einem Protoceratops andrewsi dar. Unmittelbar hinter dem Wangenhorn des Protoceratops befindet sich die linke Klaue des Velociraptors. Der Protoceratops greift wiederum mit seinem Schnabel in den rechten Velociraptorunterarm. Die Sichelkralle des Velociraptors streckt sich nach dem Hals des Protoceratops aus.

Die Forscher nahmen an, dass der Velociraptor mit seiner Sichelkralle Halsadern oder Luftröhre seines Opfers gezielt durchstechen wollte, anstatt sie aufzuschlitzen. Die in dem Fossil enthaltenen Sedimentstrukturen legten den Schluss nahe, dass beide Saurier während ihres Todeskampfes zum Opfer von Sanddünenablagerungen wurden, die durch den Wind entstanden. So könnten beide durch einen Sandsturm lebendig begraben worden sein.

Es wird außerdem angenommen, dass der Velociraptor in Rudeln auf die Jagd ging. Durch dieses Vorgehen konnten die Raubsaurier es auch mit größeren Dinosauriern aufnehmen. Ebenfalls zur Zeit des Velociraptors lebten der Oviaraptor, der Protoceratops, der Edmontosaurus, der Saurolophus, der Maisaura sowie der Galliminus. Allerdings gab es bisher noch keine spezifischen Funde, die die Rudeltheorie untermauerten.

Die Entdeckung des Velociraptors durch den Menschen

Die erste Entdeckung eines Velociraptor-Fossils fand im Jahr 1922 durch eine Expedition des AMNH (American Museum of Natural History) in die Wüste Gobi statt. In der Mongolei gruben die Forscher einen vollständigen, wenn auch zerdrückten Velociraptor-Schädel aus. Ebenso vorhanden waren eine Kralle des zweiten Zehs sowie Fußknochenfragmente. Der Museumsleiter Henry Fairfield Osborn (1857-1935) gab dem neu entdeckten Saurier 1924 den Namen Velociraptor mongoliensis.

Während des Kalten Krieges waren keine weiteren amerikanischen Expeditionen in die Mongolei möglich. So blieb es zunächst sowjetischen, mongolischen und polnischen Paläontologen vorbehalten, weitere Funde des Velociraptors zu machen.

Beispielsweise entdeckte ein polnisch-mongolisches Team 1971 das berühmte Fossil der „kämpfenden Dinosaurier“. Es wurde als nationaler Schatz der Mongolei eingestuft. Zeitweise durfte jedoch das American Museum of National History den spektakulären Fund als Leihgabe im Jahr 2000 in New York ausstellen.

In der Gegenwart befindet sich das Fossil im National Museum of Natural History in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator.

Weitere Funde

In den Jahren 1988 bis 1990 fanden chinesische und kanadische Forscher im Norden von China weitere Fossilien eines Velociraptors. Auch die Amerikaner durften ab 1990 wieder Expeditionen in die Mongolei unternehmen, wo sie verschiedene Skelette fanden, die noch gut erhalten waren.

1999 wurden von Chinesen und Belgiern weitere Velociraptor-Überreste gefunden. Dabei handelte es sich um ein Tränenbein sowie einen Oberkiefer. Allerdings erwies sich dieser Fund als untypisch für den Velociraptor mongoliensis. Darum erhielt er 2008 die Bezeichnung Velociraptor osmolskae nach der zuvor verstorbenen polnischen Paläontologin Halszka Osmolska.

Der Velociraptor in Film und Fernsehen

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde der Velociraptor 1993 durch Steven Spielbergs erfolgreichen Abenteuerfilm „Jurassic Park“ und dessen Fortsetzungen wie „Vergessene Welt – Jurassic Park II“. Dabei avancierten die Raubsaurier zu den gefährlichsten Gegnern der Menschen im Dino-Park und machten gezielt auf sie Jagd.

Um den Film dramatischer zu gestalten, erhielten die Velociraptoren mehr Größe als in der Realität. Außerdem erfolgten Veränderungen an der Schnauze sowie an den Armen. Darüber hinaus fehlten den Sauriern ihre typischen Federn. Allerdings war die Tatsache, dass die Raptoren Federn trugen in den Jahren, in denen die ersten Filme entstanden, noch unbekannt. 2001 erhielten sie in „Jurassic Park III“ schließlich Federn an Kopf und Nacken. Allerdings entsprachen diese nicht dem typischen Federkleid der Dromaeosauriden.

Ferner schrieb der Film den Velociraptoren eine höhere Intelligenz als manchen Primaten, Walen und Delfinen zu. Dies gilt jedoch nicht als wahrscheinlich, weil das Gehirnvolumen des Sauriers dazu wohl nicht ausreichte. So war der Velociraptor also keineswegs der überdurchschnittlich intelligente Killer, als der er im Film dargestellt wurde.

Dank Jurassic Park hielt der Velociraptor Einzug in zahlreiche Wohnstuben. So wurden von ihm Spielzeuge, Videospiele, TV-Serien und Dokumentationen angefertigt, wodurch er zu einem der bekanntesten Dinosaurier aufstieg. Auch eine Zeichentrickserie mit drei Velociraptoren als Hauptcharakteren wurde 1997 mit „Extreme Dinosaurs“ herausgebracht.