Vulcanodon

Beim Vulcanodon handelt es sich um einen Sauropoden.

Er lebte vor etwa 182 bis 174 Millionen Jahren im südlichen Afrika.

Der „Vulkanzahn“

Vulcanodon bedeutet „Vulkanzahn“ oder „Vulcanuszahn“.

Gemeint ist damit ein primitiver Sauropode, der sowohl Merkmale von Sauropoden als auch von Sauropodomorpha aufwies.

Einige Wissenschaftler vermuten, dass der Vulkanzahn einen evolutionären Abschnitt zwischen dem Plateosaurus sowie den späteren Sauropoden bildete.

Der Vulcanodon lebte im Unterjura (Toarcium) vor rund 182,7 bis 174,1 Millionen Jahren im Südteil des afrikanischen Kontinents.

Es gibt nur eine bekannte Art, die die Bezeichnung Vulcanodon karibaensis trägt.

Bislang konnte nur ein einziges Teilskelett auf einer Insel des Kariba-Stausees entdeckt werden.

Die Bezeichnung Vulcanodon oder Vulcanuszahn ist auf den römischen Feuergott Vulcanus zurückzuführen, der Waffen für die Götter schmiedete.

So fanden sich Zähne des Dinosauriers innerhalb von vulkanischem Gestein.

Später stellte sich allerdings heraus, dass die messerförmigen Zähne gar nicht vom Vulcanodon stammten.

Vulcanodon in der Systematik

Der Vulcanodon gehörte der Gruppe der Sauropoden an und war ein Pflanzenfresser.

Schon früh in der Evolution kam es zur Trennung von den fleischfressenden Theropoda.

Traditionell gelten die ursprünglichen Sauropodomorpha als Prosauropoden.

Während des Jura starben die zweibeinigen Prosauropoden aus.

An ihre Stelle traten die vierbeinigen Sauropoda, die die an Land lebenden Pflanzenfresser schließlich dominierten.

Aufgrund des Umstandes, dass die Sauropoda im Unterschied zu den Prosauropoden vier anstatt nur zwei Beine besaßen, vergrößerte sich auch ihr Körperumfang.

So verfügten sie zum Beispiel über deutlich längere Hälse.

Merkmale des Vulcanodon

Der Vulcanodon brachte es auf eine Länge von ungefähr 6,5 Metern. Er erreichte eine Höhe von 1,8 Metern sowie ein Gewicht von ca. einer Tonne.

Damit gehörte der Vulkanzahn eher zu den kleineren Sauropoden.

Der Körper des Dinosauriers hatte Tonnenform. Sowohl sein Kopf als auch sein Schwanz waren lang, was ein typisches Merkmal der Sauropoden darstellte.

Gliedmaßen

Die Vorderbeine des Sauriers sollen etwa 76 Prozent länger gewesen sein als die hinteren Gliedmaßen.

Die robusten, säulenförmigen Beine fielen außerdem deutlich länger aus als bei den Prosauropoden.

Dagegen zeigten sich Zehen, Mittelfuß und Unterschenkel kürzer als jene der Prosauropoden.

Um Gewicht einzusparen, hatten die Wirbelkörper der Schwanzwirbel seitliche Einbuchtungen.

Spätere Exemplare der Sauropoden besaßen an dieser Stelle Aushöhlungen.

Das Kreuzbein bestand aus vier Kreuzbeinwirbeln.

Die früheren Sauropodomorpha verfügten hingegen lediglich über drei Kreuzbeinwirbel.

Das Becken des Vulcanodon zeigte sich eher primitiv und wies Ähnlichkeiten mit dem eines Prosauropoden auf.

Zehen und Krallen

Die erste Fußzehe des Vulcanodon, der Hallux, wies eine vergrößerte Kralle auf, die auf der Seite abgeflacht war.

Als ungewöhnlich galten die Krallen von Zehe II und III. So ähnelten sie einem Nagel und waren relativ breit, dafür weniger tief.

Zu finden ist dieses Merkmal außerdem beim Tazoudasaurus. Bei den meisten anderen Sauropoden ist es jedoch nicht vorhanden.

Lebensraum des Vulcanodon

Der Vulcanodon lebte im südlichen Afrika.

Dort herrschte während des späten Unterjura ein ausgeprägter Vulkanismus.

Das südliche Afrika wurde vielerorts von dünnflüssiger Lava durchzogen und erstarrte zu Flutbasalten.

Die gefundenen Überreste des Vulcanodon entstammten sogenannten Vulcanodon-Schichten (Vulcanodon beds).

Diese Sedimenteinheiten setzen sich aus der Batoka-Formation, die vor allem aus Flutbasalten hervorging, zusammen.

Gefunden wurde das Skelett des Dinosauriers im oberen Abschnitt einer Lage aus Sand- und Siltsteinen mit einem Umfang von 30 Metern.

Diese Lage wurde von den Flutbasalten überlagert und unterlagert.

Untersuchungen aus dem Jahr 1984 führten zu der Erkenntnis, dass der Vulcanodon in einem wüstenartigen Terrain zu Hause war.

Es wurde außerdem darauf geschlossen, dass der Sauropode ausschließlich an Land lebte.

Entdeckungsgeschichte des Vulcanodon

Der erste und bislang einzige Fund von Fossilien des Vulcanodon wurde auf einer Insel des Kariba-Stausees im Norden von Simbabwe gemacht.

Der Kariba-Stausee des Sambesi-Flusses zählt zu den weltweit größten Stauseen. Die Insel trägt keinen formalen Namen.

Im Jahr 1969 entdeckte B. A. Gibson, der in der Stadt Kariba wohnte, Knochen, die aus einem Hang herausragten.

Ab Oktober 1969 wurden die Knochen von einem Forschungsteam geborgen.

Im Frühjahr 1970 schlossen sich weitere Ausgrabungen an.

Die erste wissenschaftliche Vorstellung der Knochen erfolgte im Juli 1970 auf einem Symposium in Kapstadt, das sich mit der Stratigraphie und Paläontologie von Südafrika befasste.

Zwei Jahre später nahm der Paläontologe Michael Raath erstmals eine wissenschaftliche Beschreibung des Fundes vor.

Einige Teile des Vulcanodon-Skeletts wurden vor ihrer Entdeckung durch Erosion von Pflanzenwurzeln zerstört.

Zu den geborgenen Skelettteilen des Fossils gehörten ein rechter Oberschenkelknochen, das linke Hinterbein sowie der linke Hinterfuß, das Kreuzbein und das Becken.

Sämtliche Knochen stammten von einem einzigen Vulcanodon.

1975 ordnete der Wissenschaftler Arthur Cruickshank den Vulcanodon erstmalig den Sauropoden zu.

Den Beleg dafür sah Cruickshank in dem Mittelfußknochen, der in seiner Länge als typisches Merkmal der Sauropoden galt.

Bei den Prosauropoden war dieses Kennzeichen dagegen nicht vorhanden.

In späteren Jahren fanden weitere Forschungen an der Fundstelle durch Michael Cooper und G. Bond statt.

Die beiden Wissenschaftler machten zusätzliche Funde wie ein Halswirbelfragment und ein Schulterblatt des Sauriers.

In der Gegenwart befinden sich die Fossilien in Bulawayo im Naturhistorischen Museum von Simbabwe.

Fund der Zähne

Von Michael Raath wurde 1972 über die Überreste von neun messerförmigen Zähnen berichtet, die einem Fleischfresser entstammten. Sie fanden sich am Becken des Skelettes.

Nach Raaths Meinung krümmten sich Kopf und Hals des Vulcanodon bei dessen Tod in die hintere Richtung. Der Schädel blieb dann direkt über dem Becken liegen.

Eine solche Position des Skelettes kam auch bei vielen anderen Saurierfunden vor.

Da der Schädel des Vulcanodon nicht gefunden werden konnte, hielt Raath die Zähne für dessen einziges Überbleibsel.

Im Jahr 1984 belegte Michael Cooper jedoch, dass die Zähne Bestandteil eines theropoden Dinosauriers waren und nicht zum Vulcanodon gehörten.

Vermutlich handelte es sich dabei um einen Aasfresser, der sich an dessen Kadaver gütlich tat.

Von Michael Cooper wurde außerdem im gleichen Jahr mit den Vulcanodontidae eine neue Dinosaurierfamilie aufgestellt.

Aus ihr sollen nach Meinung von Cooper die späteren Sauropodenfamilien hervorgegangen sein.

Bis heute sind die präzisen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen dem Vulcanodon und den anderen Sauropoden unklar geblieben.

Es wurde eine Verwandtschaft zu dem Tazoudasaurus für möglich gehalten, dessen Entdeckung in Marokko stattfand.

Ein nahes Verwandtschaftsverhältnis ließ sich jedoch im Rahmen weiterer Studien nicht bestätigen.